Studienfächer im Fokus:

Informatik studieren

Knapp 4 Prozent aller Studenten (110.000 Personen) studieren Informatik. Die nächste Digitalisierungswelle rollt. Doch was sollte man alles im Blick haben, wenn man über ein Informatikstudium nachdenkt? Wir zeigen es dir auf dieser Seite!

Das Wichtigste auf einen Blick

Konkurrenz: Eher gering, teilweise abhängig von der Spezialisierung

Die Konkurrenz ist insgesamt eher gering. Inbesondere in wachsenden Technologiebereichen haben Unternehmen Probleme, ihre Stellen mit geeigneten Experten zu besetzen. Es gibt jedoch genauso Spezialisierungen, in denen talentierte Bewerber ausreichend vorhanden sind. Die Gleichung „Abgeschlossenes Informatikstudium = begehrter Absolvent” ist daher etwas zu simpel. 

Automatierungsrisiko: Abhängig von der Tätigkeit, in der Regel gering

Bei cleverer Wahl des Schwerpunkt und der Tätigkeit ist das Automatisierungsrisiko sehr gering. Wider Erwarten fallen jedoch auch einige Tätigkeiten im Informatik-Kosmos weg. Beispielsweise können in einigen Bereichen (z. B. im Web-Development) nun auch technisch weniger versierte Personen (z. B. der Endkunde selbst) mittels visueller Applikationen ursprünglich Informatikern vorbehaltene Tätigkeiten durchführen.

Impact: Variiert

Da Informatiker in vielen unterschiedlichen Bereichen tätig sind, kann man keine generelle Aussage zum Impact machen. Grundsätzlich hat man jedoch als guter Informatiker das Rüstzeug, um einen Nutzen für andere Personen zu schaffen. Eine differenzierte Betrachtung findest du weiter unten in diesem Post. 

Abbruchrisiko: Sehr hoch

43 Prozent der Informatikstudenten brechen ihr Studium ab. Diese Quote liegt gut 40 Prozent über dem Durchschnitt aller Bachelor-Studienfächer.1 Für viele Studenten scheint ein tiefer Graben zwischen den eigenen Erwartungen und der Studienrealität zu liegen, der dann bei den Klausuren in den ersten Semestern offensichtlich wird. Daher solltest du dich vor dem Studium vergewissern, dass du wirklich die notwendigen Voraussetzungen erfüllst.

Einstiegsgehalt: Starke Spreizung

50 Prozent der Informatikabsolventen bewegen sich mit ihrem Einstiegsgehalt zwischen 36.800€ und 47.400€ brutto. Während Top-Absolventen mit bis zu 85.000€ einsteigen können, verdienen einige gerade einmal 25.000€. Das Gehalt variiert deutlich in Abhängigkeit von Faktoren wie der Spezialisierung, dem Studienabschluss (Bachelor oder Master) oder der Praxiserfahrung.

Karrierekapital: Sehr hoch

Das Karrierekapital ist sehr hoch, insbesondere wenn man es in Relation zur vergleichsweise kurzen Dauer des Bachelorstudiums (Regelstudiendauer: 6 Semester) setzt. Als (Software-)Entwickler hat man das Werkzeug, um allein aus seinen Ideen und seiner Zeit ein Produkt zu erschaffen, mit dem man ein Einkommen erzielen kann. Nicht ohne Grund ist ein überproportionaler Anteil der Informatiker selbstständig (als Freelancer oder Unternehmer). Die Flexibilität ist ebenfalls überdurchschnittlich hoch. 

Jobzufriedenheit: Schwankend

Umfrageergebnisse der Website Stack Overflow von 2017, die sich aus 5.000 Teilnehmern aus Deutschland ergaben, zeigen das folgende Bild: Die meisten befragten Entwickler sind zufrieden mit ihrem Beruf. 50 Prozent bewerteten ihre Gesamtzufriedenheit auf einer Skala von 1 (überhaupt nicht zufrieden) bis 10 (absolut zufrieden) mit 7 oder 8 Punkten.

Welche Voraussetzungen solltest du erfüllen?

Vor- und Nachteile

  • sehr hohe Flexibilität (v. a. relativ zur Studienzeit)
  • Einstieg in allen Branchen möglich
  • Spezialisierung auf viele schnell wachsende Branchen möglich
  • Als Entwickler kannst Du aus „Nichts” (Computer & Idee) etwas Nützliches schaffen
  • möglicherweise negativer oder niedriger Impact in einigen Tätigkeiten
  • Studium allein bietet kein Alleinstellungsmerkmal (ohne Praxiserfahrungen)

1. Worum geht's?

Wenig in unserer modernen Welt wäre ohne die Informatik denkbar: Es gäbe keine sekundenschnelle Übertragung von Informationen rund um den Globus und du könntest weder das Internet, noch dein Smartphone oder Notebook mit all den nützlichen Programmen verwenden. Ebenso würde alle weiteren essenziellen digitalen Prozesse wegfallen. Die Wissenschaft von der systematischen Verarbeitung von Informationen steckt in fast allen technischen Systemen und hat seit den 1950er Jahren einen immer stärkeren Einfluss auf unser Leben. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.

Als Student der Informatik öffnet sich für dich das Tor zu dieser Welt. Das Studium ist jedoch kein großer, praxisnaher  „Programmierkurs”, sondern eine mitunter sehr theoretische Grundausbildung in der Informatik. Niemand sollte mit einer falschen Erwartungshaltung ins Studium gehen. Die Inhalte setzen sich unter anderen aus Datenstrukturen, Logik, viel Mathematik und Software-Entwicklung zusammen. Hier sind ein paar beispielhafte Fragestellungen, mit denen du dich im Studium beschäftigen wirst: Wie wird aus den einzelnen Komponenten eines Rechners (Software & Hardware) ein funktionierendes Produkt? Was ist ein Betriebssystem und welche Funktion hat es? Was sind die Unterschiede zwischen Aussagenlogik, Modallogik und temporaler Logik? Wozu benötige ich lineare Algebra, Analysis und Kombinatorik in der Informatik? Wie funktionieren Datenbanken? Wie schreibe ich einen selbstlernenden Algorithmus, der Spam-E-Mails zuverlässig klassifiziert?

Die Informatik gehört zu den Wissenschaften, die sich am schnellsten wandeln. Derzeit gewinnt etwa die Nutzung und Interpretation großer Datenmengen (Buzzword: Big Data), das Entwickeln selbstlernender Algorithmen (Buzzword: Künstliche Intelligenz) sowie das Thema Cyber-Sicherheit schnell an Bedeutung. Im Informatikstudium erlernst du die Grundlagen, die es dir erlauben, dich später eigenständig kontinuierlich fortzubilden. Als Informatiker solltest du definitiv das Lernen lieben, da dein bestehendes Wissen nach einigen Jahren an Wert verliert, falls du nichts Neues dazulernst.

Vorteile hast du auf jeden Fall, wenn du auch mit Nicht-Informatikern (z. B. Betriebswirten) kommunizieren kannst, ohne das bei ihnen nach dem Gespräch mehr Fragezeichen als zuvor verbleiben. In Kino und Film wird der Informatiker oft als Einzelgänger dargestellt. In der Realität ist die Teamfähigkeit eine der wichtigsten weichen Faktoren für viele Unternehmen. Denn keine größere, komplexe Applikation wird allein im Keller entwickelt. Sie sind stattdessen das Ergebnis eines gut zusammenarbeitenden Entwicklerteams. 

In den späteren Semestern des Studiums kannst du dann einen Schwerpunkt setzen. Beispiele sind Web-Development, Systemadminstration, Internet-Engineering, Funktionale Programmierung, Blockchain, Künstliche Intelligenz und Data Mining. Selbstverständlich bietet nicht jede Hochschule jeden Schwerpunkt an, sodass du dich vorab darüber informieren solltest, welche Universitäten die Themen anbieten, für die du dich interessierst.

2. Voraussetzungen und Eignung

2.1 Abbruchquoten

Die folgende Grafik zeigt die Studienabbrecherquoten für unterschiedliche Hochschulformen und Studienanfängerjahrgänge. Das Deutsche Zentrum für Wissenschafts- und Hochschulforschung hat diese Quoten berechnet, indem sie für jedes Studienfach die Absolventen eines Jahrgangs anteilig den Studienanfängerjahrgängen zuordnen und daraus die Schwundquote berechnen. Dies ist möglich, da die Prüfungsstatistken zeigen, in welchem Fachsemester der Student bei Erbringung seiner letzten Prüfungsleistung war.

Studenten, die ihren Studiengang gewechselt haben und dann ein Informatikstudium abschließen, gehen in dieser Statistik nicht als Studienabbrecher ein. Da jedoch jemand, der sein Studienfach wechselt, in der Regel eine vorherige Fehlentscheidung korrigiert, unterschätzt diese Berechnungsmethode eventuell die tatsächlichen Abbrecherzahlen. Auf der anderen Seite sind in dieser Statistik auch Personen berücksichtigt, die sich in NC-freien Studiengängen (wie etwa Informatik) für einen zweistelligen Verwaltungsbeitrag einschreiben und dann durch ihren Studentenstatus profitieren. Unserer Ansicht nach ist dieser Effekt bisher überschaubar, wird sich aber in den zukünftigen Abbrecherquoten aufgrund der bundesweiten Abschaffung der Studiengebühren verstärkt niederschlagen. Trotz dieser Schwächen denken wir, dass die Quoten eine wertvolle Informationsquelle sind.

Nun wollen wir uns aber den Zahlen zuwenden: Die Abbrecherquoten an Universitäten sind im Zeitverlauf konstant hoch und schwanken zwischen 43 und 47 Prozent. Knapp jeder zweite Student bringt also sein Studium nicht zu Ende. Schaut man sich stattdessen alle Studenten an Universitäten an, so erkennt man, dass insgesamt „nur” ein Drittel der Studenten abbricht. Im Informatikstudium liegt die Abbrecherquote also gut 40 Prozent über der durchschnittlichen Abbruchquote.2 Das zeigt eindeutig, dass für viele Studenten ein tiefer Graben zwischen Studienerwartungen und -realität verläuft. Allein deshalb solltest du dir den folgenden Abschnitt zur Eignung genau durchlesen.

An den Fachhochschulen ist die Abbrecherquote in den letzten Jahren gestiegen. Lag die Quote für den Studienanfängerjahrgang 2006/07 noch bei 27 Prozent, so stieg sie auf 41 Prozent für den Studienanfängerjahrgang 2010/11. Das entspricht einen Anstieg von gut 50 Prozent. Doch auch fachübergreifend sind die Abbrecherquoten an Fachhochschulen um 40 Prozent gestiegen.3 Ein Grund dafür könnten die stark gestiegenen Studentenzahlen an den Fachhochschulen sein. Zwischen 2005 (10.258 Studienanfänger) und 2010 (14.851 Studienanfänger) haben sich gut 50 Prozent mehr Studenten pro Jahr an Fachhochschulen eingeschrieben.4 Es ist gut möglich, dass ein Großteil dieser jungen Menschen überfordert mit dem Studium war.5

Die Gesamtquote der Bachelorstudenten spiegelt logischerweise diese beiden Entwicklungen und zeigt einen moderaten Anstieg der Abbrecherquoten, der durch die gestiegenen Abbrecherzahen an den Fachhochschulen bedingt ist.

Abbruchquoten

Datenquellen: Heublein, U., Ebert, J., Hutzsch, C., Sören, I., König, R. und A. Woisch (2017). Zwischen Studienerwartungen und Studienwirklichkeit: Ursachen des Studienabbruchs, beruflicher Verbleib der Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher und Entwicklung der Studienabbruchquote an deutschen Hochschulen. Forum Hochschule 1 (2017). S. 290. http://www.dzhw.eu/pdf/pub_fh/fh-201701.pdf (Besucht am 05.04.2019). Heublein, U. und R. Schmelzer (2018). Die Entwicklung der Studienabbruchquoten an den deutschen Hochschulen. Berechnung auf Basis des Absolventenjahrgangs 2016. DZHW-Projektbericht. S. 25-26. http://www.dzhw.eu/pdf/pub_fh/fh-201701.pdf (Besucht am 05.04.2019).

EIGNUNG

Es bricht also jeder zweite Informatikstudent sein Studium ab. Wie kannst du dein persönliches Risiko für einen Abbruch minimieren? Vor allem solltest du sicherstellen, dass du wirklich für das Studium geeignet bist. Was brauchst du also, um erfolgreich Informatik zu studieren? Unserer Meinung nach sind die folgenden Aspekte zu berücksichtigen:

  • Abitur. Natürlich brauchst du wie bei jedem anderen Studium ein Abitur, um zugelassen zu werden. Die Abiturnote selbst ist dabei eher zweitrangig. Zwar gibt es einige Universitäten, die einen NC haben (die Universität Hamburg hatte beispielsweise im Wintersemester 2018/19 einen NC von 2,0) und andere, die ein mehrstufiges Zulassungsverfahren bestehend aus verschiedenen Faktoren haben (etwa die TU München, die zusätzlich ein Gespräch mit jedem Studieninteressierten führt), doch ebenso viele Universitäten haben keinerlei Zulassungsbeschränkungen und lassen jeden Bewerber zu.
  • Bereitschaft, neben dem Studium Praxiserfahrungen aufzubauen. In jedem Studium genügt die theoretische Ausbildung nur in den seltesten Fällen, um deinen Traumjob zu finden. Für Informatiker muss man hinter diesen Satz drei Ausrufezeichen setzen. Zwar lernst du auch im Studium ein wenig zu Programmieren, doch das reicht bei weitem nicht aus, um erfahren in diesen Programmiersprachen zu werden. Wenn sich ein Unternehmen zwischen einem Studenten mit durchschnittlichen Noten und herausragenden Praxiserfahrungen (z. B. basierend auf seinem Github) und einem Studenten mit herausragenden Noten und fehlenden Praxiserfahrungen entscheiden muss, wird es sch immer für ersteren entscheiden. Deshalb ist es elementar, dass du neben dem Studium Zeit mit Praxisprojekten verbringst und (fast) jeden Tag ein paar Zeilen Code schreibst.
  • Interesse an der Informatik. Du solltest auf jeden Fall nicht nur an der praktischen Seite der Informatik (z. B. dem Programmieren) interessiert sein, sondern auch Neugier für die theoretischen Grundlagen und Zusammenhänge mitbringen. Der Grund dafür ist simpel: Ein Großteil des Studiums beschäftigt sich damit. Insbesondere die ersten Semester sind damit gefüllt. Wenn du dich durch diese Studienabschnitte „zwingen” musst, leiden darunter bestenfalls deine Noten. Schlimmstenfalls musst du dich neu orientieren. Daher solltest du bei einem schwachen Interesse für diese Themen darüber nachdenken, eventuell einen etwas praxisorientierteren Weg zu gehen (wie etwa eine Ausbildung zum Fachinformatiker).
  • Mathematikaffinität. An diesem Punkt liegt ein großes Missverständnis vor, das definitiv für einen Teil der Studienabbrüche verantwortlich ist. Die Mathematik ist definitiv nicht nur ein Nebenschaukriegsplatz im Studium, sondern macht häufig allein 15 Prozent des Studiums aus6. Viele andere Module sind ebenfalls mit mathematischen Aspekten durchzogen. Wer sich in der Schule vor den Transferaufgaben im Mathematikunterricht gefürchtet hat, der ist auch im Informatikstudium falsch. In den Mathematikklausuren müssen nicht selten mathematische Sätze bewiesen werden.
  • Überdurchschnittliche Intelligenz. Da wir für Deutschland keine studienfachbezogenen IQ-Daten gefunden haben, ziehen wir die US-amerikanischen Daten als Schätzung heran.7 Der durchschnittliche Intelligenzquotient (IQ) von US-amerikanischen Informatikstudenten beträgt 124.8 Ungefähr 5,5 Prozent der Bevölkerung haben einen IQ von 124 oder höher.9 Der durchschnittliche Informatikstudent gehört also zu den intelligentesten fünf Prozent der Bevölkerung. Wenn du im Studium erfolgreich sein möchtest und vor allem relativ zu deinen Kommilitonen nicht ins Hintertreffen geraten möchtest, sollte dein IQ in einer ähnlichen Größenordnung liegen. Andernfalls wirst du sehr wahrscheinlich Probleme haben, den Stoff (a) wirklich zu verstehen, (b) die Klausuren zu bestehen und (c) das Studium in angemessener Zeit (oder überhaupt) erfolgreich abzuschließen. Und natürlich wirst du dann neben dem Studium keine Zeit haben, um noch etwas anderes zu tun (beispielsweise Praxiserfahrungen zu sammeln).
  • Abstraktionsvermögen und logisches Denken. Beide Punkte sind eng verknüpft mit dem vorherigen Stichpunkt (Intelligenz) und unabdingbar für ein erfolgreiches Studium und eine gelungene Karriere. Wenn du etwa eine Software entwickelst oder einen Algorithmus schreibst, musst du zunächst das Problem verstehen, um dann eine geeignete Lösung entwerfen zu können. All das geschieht, bevor auch nur eine einzige Zeile Code geschrieben wurde. Genau wie die Mathematik ist auch das logische Denken ein weiterer elementarer Bestandteil der Informatik. Du solltest keine Probleme haben, verschachtelte Wenn-Dann-Bedingungen, die sich ihrerseits aus verschiedenen Bedingungen zusammensetzen, zu verstehen.
  • Disziplin und Gewissenhaftigkeit. Dieser letzte Punkt ist sicherlich keine Überraschung für dich. Es reicht nicht, wenn du dich für ein oder zwei Semester anstrengst und es dir dann auf dem Sofa gemütlich machst. Für einen guten Notendurchschnitt musst du konstant über die gesamte Studiendauer deine Leistung bringen. Ein Vorteil des Informatikstudiums ist allerdings, dass du vergleichsweise wenig Dinge auswendig lernen musst. Stattdessen geht es immer um das Verständnis von Konzepten und deren Anwendung.

Voraussetzungen für ein Informatikstudium

3. Aufbau des Studiums

Das Informatikstudium ist ein Bachelorstudium und hat in den allermeisten Fällen eine Regelstudienzeit von sechs Semestern bzw. drei Jahren. Auch wenn sich der Aufbau des Studiums natürlich von Universität zu Universität unterscheidet, setzt es sich typischerweise aus den folgenden Inhalten zusammen:10

  • Datenstrukturen, Algorithmen und Programmierung (Software). Dieser Block gehört zu den größten im Studium. Du lernst unterschiedliche statische (die Zahl der Elemente kann während der Laufzeit des Programms nicht mehr angepasst werden) und dynamische Datenstrukturen (Anzahl kann während der Laufzeit verändert werden) kennen. Ebenso arbeitest du dich in verschiedene Algorithmen ein, mit denen du die in den Datenstrukturen gespeicherten Informationen bearbeiten kannst. Beispiele wären das Sortieren und Verwalten von Listen oder das Suchen und Sortieren in Bäumen. Neben dem theoretischen Teil solltest du diese Konzepte auch in einer Programmiersprache wie JAVA oder C++ umsetzen können. Daher werden die behandelten Themen auch praktisch eingeübt. Am Ende dieser Module sollst du nicht nur Datenstrukturen sowie ihre Vor- und Nachteile verstehen, sondern auch erkennen, welche Algorithmen bei welchen Fragestellungen anzuwenden sind und wie du dies in ein lauffähiges Programm umsetzen kannst. 24 ECTS/13 Prozent der Studienleistung. 
  • Logik für Informatiker (Software). Als Informatiker ist die Logik eines deiner wesentliche Werkzeuge. Immer, bevor ein Programm tatsächlich geschrieben wird, muss etwa zunächst die dahinterliegende Logik entwickelt werden. In diesem Studienabschnitt lernst du typischerweise verschiedene Logiksysteme kennen und wendest diese auf verschiedene Problemstellungen an. Dazu zählt etwa die klassische Aussagenlogik („Politiker sind Menschen”), die Prädikatenlogik, die einzelne Eigennamen der Aussagenlogik untersucht („X sind Menschen”), die Modallogik, die die zusätzlichen Charakterisierungen „möglich” und „notwendig” zulässt („Es ist möglich, dass Politiker Menschen sind”) und die temporale Logik, mithilfe derer auch zeitliche Aussagen logisch analysiert werden können („Es wird Politiker geben, die Menschen sind”). 5 ECTS/3 Prozent der Studienleistung.
  • Funktionale Programmierung (Software). Die weitverbreitetste Form der Programmierung ist das objektorientierte Programmieren. Dabei werden die für das Programm relevanten Aspekte in Objekten und Klassen abgebildet. Diese Objekte werden dann durch eine Reihe von von sequenziell ausgeführten Anweisungen auf die gewünschte Art und Weise manipuliert. Die Programmzustände werden fortlaufend modifiziert, bis man am Ende die gewünschten Ergebnisse erhält. Diese fortwährende Manipulation kann jedoch auch – etwa bei der Eindeutigkeit von Berechnungen (z. B. bei Smart Contracts) – zu Schwierigkeiten führen. Das ist ein Anwendungsfall funktionaler Programmierung. Ein funktionales Programm besteht aus Funktionen bzw. aus ihrer Erzeugung und Anwendung. In der rein-funktionalen Programmierung werden einmal gesetzte Werte nie verändert. Stattdessen dienen sie lediglich als Parameter der Funktionen. Weitere wichtige funktionale Konzepte, die du hier lernst, sind Funktionen höherer Ordnung (Funktionen, die ihrerseits Funktionen als Argumente erwarten oder Funktionen zurückgeben) und Rekursion (Funktionen, die sich selbst oder sich gegenseitig aufrufen können). Eine beliebte rein funktionelle Programmiersprache ist Haskell. Jedoch erlauben auch einige eigentlich objektorientierte Sprachen wie C++ oder C# funktionale Programmierung. 5 ECTS/3 Prozent der Studienleistung.
  • Wahlpflichtbereich (Software, Systeme und formale Grundlagen). Im Gegensatz zu Wahlfächern beziehen sich Wahlpflichtfächer auf das Modulangebot des eigenen Studiengangs. Ferner müssen teilweise Kurse aus bestimmtem Modulgruppen belegt werden, während an anderen Universitäten mehr Freiheiten bei der Kurszusammenstellung bestehen und man jeden Kurs des eigenen Studiengangs belegen kann. Nachfolgeng sind einige typische Modulgruppen inkl. wählbarer Kurse aufgeführt: Theoretische Informatik (Complexity Theory, Effiziente Algorithmen, Probabilistic Programming), Software und Kommunikation (Software Architekturen, Objektorientierte Software-Entwicklung, Fortgeschrittene Internet-Technologie, Communication Systems Engineering), Daten- und Informationsmanagement (Einführung Künstliche Intelligenz, Datenbanken implementieren, Web Science, Semantic Web) und Angewandte Informatik (Basic Techniques in Computer Graphics, Real-Time Graphics, Physically-Based Animation, Designing Interactive Systems I, iOS Application Development, Computational Differentiation, Automatic Speec Recognition, Statistical Classification and Machine Learning). Das ist natürlich nur eine Auswahl möglicher Kurse. Die konkreten Themengebiete und Kurse variieren von Hochschule zu Hochschule. 20 ECTS/11 Prozent der Studienleistung.
  • Software-Technik (Software). In diesem Modul lernst du den gesamten Ablauf und die Methoden der Softwareentwicklung beginnen. Hierbei liegt der Fokus nicht nur auf der Umsetzung, also der Programmierung selbst, sondern auf allen Schritten, die für ein erfolgreiches Software-Projekt nötig sind. Das beginnt bei der Planung des Projekts, erstreckt sich weiter über die Analyse- und Entwicklungsphase bis hin zur Validierung der entwickelten Software und der anschließenden Wartung und Pflege. Je nach der verwendeten Herangehensweise können die einzelnen Phasen etwa voneinander abgegrenzt („Wasserfallmodell“) oder flexibel und offenen bleiben („agile Softwareentwicklung“). Die in Vorlesungen vorgestellten Werkzeuge (wie etwa die Unified Modeling Language zum Entwurf von Softwaresystemen) werden in den Übungen angewandt. 4 ECTS/2 Prozent der Studienleistung.
  • Praktikum (Software/Hardware). Ein Praktikum ist an vielen Universitäten Pflicht. Die Studenten bekommen vom Lehrstuhl meist eine Aufgabenstellung, die sie programmiertechnisch umsetzen sollen. Beispiele sind die Entwicklung von kleinen Computerspielen, Simulationen, Software-Anwendungen oder Machine Learning Algorithmen. Die Praxisarbeit soll Studenten dabei helfen, ihre Kenntnisse von Programmiersprachen auch tatsächlich einzusetzen und auch das Wissen aus anderen Modulen (z. B. der Softwaretechnik) einzubringen. Natürlich sind solche kleinen Projekte nur der erste Schritt, um eine Sprache besser zu beherrschen. Die meisten erfolgreichen Informatikstudenten arbeiten neben dem Studium bereits an einigen Projekten, die sie später etwa auf ihrem Github präsentieren können. Genauso gibt es hardwarenahe Praktika, in denen die erworbenen Kenntnisse aus der Vorlesung Rechnerstrukturen vertieft und angewendet werden.  12 ECTS/6 Prozent der Studienleistung.
  • Betriebssysteme (Systeme). Jeder von uns kommt täglich mit Betriebssystemen in Kontakt: Ohne sie könntest du weder dein Smartphone noch deinen Laptop nutzen. Das Betriebssystem ist die Schnittstelle zwischen der Hardware eines Computers und der Anwendungssoftware. So ist es für das Laden, die Ausführung und das Beenden von Programmen zuständig und verwaltet die Prozessorzeit und den internen Speicherplatz. Auch Schutzfunktionen wie der Speicherschutz und unterschiedliche Nutzerrechte gehören dazu. Im Modul „Betriebssysteme“ lernst du den Aufbau und die Funktionsweise von Betriebssystemen kennen. Genauso werden Techniken vorgestellt, mit denen sich diese Problemstellungen umsetzen lassen. In den Übungen wird der Stoff meistens durch Praxisaufgaben aus der Systemprogrammierung (z. B. UNIX) vertieft. 5 ECTS/3 Prozent der Studienleistung.
  • Rechnernetze und verteilte Systeme (Systeme). Rechnernetze werden zu vielfältigen Zwecken eingesetzt: Wer Ressourcen (z. B. Dateien auf einem Server, Drucker oder Seiten eines Intranets) teilen möchte, der braucht dazu ein Netzwerk. Genauso spielen Netzwerke eine wichtige Rolle bei der Steuerung von und der Kommunikation zwischen Maschinen (z. B. in einer Fabrik). Netzwerke spielen aber nicht nur in Unternehmen, sondern auch in deinem Privatleben eine große Rolle. Beispielsweise nutzt du sie, wenn du Kunde eines Video-on-Demand Dienstes wie Netflix oder Amazon Video bist. Im Kurs lernst du unter anderen den Unterschied zwischen Broadcast Links („Rundruf”) und Point-to-Point Links kennen. Bei ersteren besteht nur ein Kanal zwischen den Rechnern im Netzwerk, sodass Nachrichten zwar einfach geteilt werden können, aber jeweils auch nur nur nacheinander gesendet werden können. Bei Point-to-Point-Links hingegen sind immer zwei Endgeräte direkt miteinander verbunden. Somit können mehrere Nachrichten zeitgleich im Netzwerk versandt werden. Ferner lernst du verbindungsorientierte und verbindungslose Dienste zu unterscheiden. Erstere bauen immer dieselbe Verbindung zwischen zwei Rechnern auf, während bei letzeren kein festgelegter Weg zwischen Sender und Empfänger besteht. 5 ECTS/3 Prozent der Studienleistung.
  • Informationssysteme (Systeme). Immer wenn Menschen digitale Daten speichern und suchen wollen, fällt das in den Bereich der Informationssysteme. Informationssysteme haben eine oder mehrere konkrete Aufgaben, werden von Nutzern verwendet und benötigen zur Erfüllung ihrer Aufgabe bestimmte technische Komponenten und Architektur. Daher bezeichnet man Informationsysteme auch als MAT-Systeme (Mensch/Aufgabe/Technik-System). Man findet sie in allen Lebensbereichen: In der Medizin werden Patientendaten verwaltet, im Online-Versandhandel bestellen Kunden Produkte, die dann bezahlt und geliefert werden müssen und die staatliche Verwaltung nutzt solche Systeme bei Fahndungs- und Ermittlungsarbeiten. Auf technischer Seite kann es sich dabei etwa um relationale Datenbank- oder auch Information-Retrieval-Systeme handeln. Während erstere einen bestimmten Wert durch eine präzise Suchanfrage wiedergeben (z. B. über eine SQL-Abfrage), ist dies bei letzteren in der Regel nicht möglich, da in der Datenbank etwa keine ausreichenden Angaben über den Inhalt der Dokumente (z. B. Texte, Bilder, Musik etc.) gespeichert sind oder der Benutzer die Art der Information, die er sucht, nicht in einem präzisen und zielführenden Suchbegriff ausdrücken kann. Neben der Vorlesung beschäftigt man sich in den Übungen häufig mit der Konzeption und Umsetzung eines einfachen Informationssystems. 4 ECTS/2 Prozent der Studienleistung.
  • Rechnerstrukturen (Hardware). Kurzgefasst beschäftigt sich dieser Studienabschnitt mit der „Übersetzung“, die zwischen einer Programmiersprache bzw. der Eingabe von Daten (z. B. Text) und den Transistoren eines Computers nötig sind. Wie übersetzt man all diese Daten in die zwei maschinenlesbaren Zustände 0 und 1? Genau diese Frage beantwortet die Vorlesung. Die weiteren Inhalte beschäftigen sich in der Regel mit verschiedenen Abstraktionsebenen (z. B. Logikgattern), hardwarenahen Sprachen (sogenannten Assemblersprachen) sowie Moore- und Mealy-Automaten. 8 ECTS/4 Prozent der Studienleistung.
  • Elektro- und Nachrichtentechnik (Hardware). Immer wenn eine Nachricht aufgenommen, übertragen oder gespeichert wird, fällt dies in den Bereich der Nachrichtentechnik. Da dieser Bereich entsprechend groß ist, gliedert sich die Nachrichtentechnik nochmals in unterschiedliche technische Teilgebiete (z. B. Elektronische Datenverarbeitung, Telekommunikation, Sensorik, Laser und Signalverarbeitung). Die Nachrichtentechnik selbst gehört zu Elektrotechnik, die sich als Ingenieurwissenschaft mit dem Erforschen und Entwicklung von Elektrogeräten befasst. Da sich diese Aufgabenbereiche von Elektrotechnikern und Informatikern berühren, soll das Modul ein paar Grundkenntnisse über Schaltungen, Bauelemente der Elektrotechnik sowie die Grundlagen der Nachrichtentechnik vermitteln. Die Idee dahinter ist, dass sich Studenten (a) die Kenntnisse erarbeiten, um ggf. fortgeschrittene Vorlesungen der Elektrotechnik im Wahlbereich zu belegen, und (b) dass sie in die Lage versetzt werden, sich mit Ingenieuren der Elektro- und Nachrichtentechnik auszutauschen. 8 ECTS/4 Prozent der Studienleistung.
  • Mathematik für Informatiker (Formale Grundlagen). Neben Studienfächern wie Mathematik und Physik ist die Informatik eines der mathematikreichsten Studienfächer. Im Fokus stehen sowohl Themen wie Mengen, Abbildungen und Relationen als auch logische Grundlagen und Beweistechniken. Darüber hinaus liegt der Schwerpunkt natürlich auf der linearen Algebra (lineare Gleichungssysteme, lineare Abbildungen, Matrizen und Vektoren), der Analysis (Folgen und Reihen, Stetigkeit, Differenzial- und Integralrechnung) sowie der Kombinatorik. In den Klausuren müssen häufig Sätze bewiesen werden und die Konzepte müssen so gut verstanden worden sein, dass sie auf andere Beispiele übertragen werden können. Wer in der Schule Probleme mit dem Transferaufgaben in Mathematik hatte, sollte sich zweimal überlegen, ob er wirklich Informatik studieren möchte. 18 ECTS/10 Prozent der Studienleistung.
  • Wahrscheinlichkeitsrechnung und mathematische Statistik (Formale Grundlagen). Wie der Name bereits vermuten lässt, bietet diese Veranstaltung eine Einführung in die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Dabei werden etwa verschiedene Datentypen (nominal: „blau“, „gelb“, „grün“; ordinal: „sehr gut“, „gut“, „schlecht“ und metrisch: Einkommen in Euro, Alter in Jahren etc.) und statistische Kennzeichen für univariate (eine Gruppe, z. B. Männer oder Frauen) und bivariate (mehrere Gruppen, z. B. Männer und Frauen) behandelt. Zu letzteren zählt die Lage („Was ist der durchschnittliche Wert?“), Streuung („Was sind die minimalen und maximalen Werte? Zwischen welchen Werten liegen 40, 60 oder 80% der Daten?“) und der Zusammenhang („Steigt mit der Erhöhung von A auch B?“). Ebenso geht es um wichtige Wahrscheinlichkeitsverteilungen, bedingte Wahrscheinlichkeiten („Wie wahrscheinlich ist ein Regenschauer, wenn es bewölkt ist?“), statistische Tests („Kann ich mit 90-prozentiger Sicherheit sagen, dass eine bestimmte Hypothese verworfen werden kann?“) und Konfidenzintervalle. Ähnlich wie bei den Mathematik-Modulen taucht man auch hier detaillierter mit der Thematik als etwa im Rahmen eines BWL- oder Psychologiestudiums. 4 ECTS/2 Prozent der Studienleistung.
  • Grundbegriffe der theoretischen Informatik (Formale Grundlagen). Dieses Fach zählt bei vielen Studenten nicht gerade zu den favorisierten Modulen. Das mag daran liegen, dass hier in den Klausuren kräftig ausgesiebt wird (Durchfallquoten im Erstversuch von 60% und höher). Zusätzlich ist das Fach – wie schon der Zusatz „theoretisch” vermuten lässt – eher trocken. Unter anderem werden die folgenden Fragestellungen untersucht: „Was ist möglich?” (Berechenbarkeitstheorie: Was ist ein Algorithmus? Welche Probleme lassen sich (nicht) algorithmisch lösen?), „Was ist effizient möglich?” (Komplexitätstheorie: Algorithmische Probleme werden nach ihrer Schwierigkeit klassifiziert. Dann werden die entstehenden Klassen verglichen) und „Wie sieht ein Programm aus?” (Formale Sprachen: Wie lässt sich die syntaktische Struktur vom Computerprogrammen beschreiben?). 8 ECTS/4 Prozent der Studienleistung.
  • Nebenfach (Nebenfach). Gut 10% des Studiums entfallen auf ein Nebenfach. Typischerweise wählst du dein Nebenfach aus einer Liste von verwandten oder komplementären Studienfächern aus, die von Universität zu Universität verschieden aussehen kann. Zu den häufig angebotenen Nebenfächern zählen Elektrotechnik, Maschinenbau, Mathematik, Philosophie, Physik, Statistik, Wirtschaftswissenschaften und VWL. 20 ECTS/11 Prozent der Studienleistung.
  • Wahlfächer (Wahlbereich). Im Wahlfachbereich kannst du dir aus einer List an Modulen diejenigen aussuchen, die dich am meisten interessieren und die am besten zu deiner anvisierten beruflichen Laufbahn passen. In manchen Studiengängen kannst du dich hier auch für fachfremde Kurse entscheiden (also z. B. für Kurse der Nachrichtentechnik, Mathematik oder VWL), während die Auswahl in anderen ausschließlich auf die Informatik beschränkt bleibt. Beispielsweise kannst du dich dazu entscheiden, dir die Grundlagen von Sicherheitsfragen, Datenverschlüsselung oder Machine-Learning-Modellen anzueignen oder dich detailliert mit Datenbanken auseinanderzusetzen. Das sind natürlich nur Beispiele. Jede Universität setzt andere Schwerpunkte und es ist ratsam, sich vorab darüber zu informieren. 8 ECTS/4 Prozent der Studienleistung.
  • Seminare (Wahlbereich). In Seminaren werden Fähigkeiten vermittelt, die einigen Informatikstudenten fernliegen. Dazu zählt etwa die Ausarbeitung und Vorstellung von Präsentationen. Jedes Seminar wird zu einem bestimmten Thema gehalten, innerhalb dessen sich die Studenten entweder eine Themenstellung aussuchen können oder zugewiesen bekommen. Diese Fragestellung muss dann in einem Paper beantwortet und im Rahmen einer Präsentation vorgestellt werden. Somit müssen die Studenten lernen, relevante Literatur zu finden, zu analysieren und zusammenzufassen und ihr Arbeitsergebnis verständlich anderen zu präsentieren. Wer letzteres als Informatiker beherrscht und auch Nicht-Informatikern technische Zusammenhänge einfach erklären kann, hat meistens einen großen Vorteil im späteren Arbeitsleben, da dann die Kommunikation mit anderen Rollen im Unternehmen gelingt. 7 ECTS/4 Prozent der Studienleistung.
  • Fachprojekt (Wahlbereich). Im Fachprojekt werden erworbene Kenntnisse aus dem Studium angewendet. Je nach Themengebiet des Projekts ergeben sich andere Voraussetzungen für die Studenten. Unabhängig vom genauen Thema wird jedoch immer eine Aufgabenstellung im Team oder alleine bearbeitet. Vorangestellt erfolgt zudem immer eine Einleitung ins Thema. Beispielhaft wollen wir einige Projekthemen nennen, die an der TU Dortmund angeboten werden und so auch in anderen Studienplänen zu finden sind: Modellbildung und Simulation, Visual Computing, Software im Automobil, Algorithm Engineering, Data-Mining und Datenanalyse, Softwaretechniken für sichere Cloud-Computing-Systeme und Ambient Intelligence. 6 ECTS/3 Prozent der Studienleistung.
  • Bachelorarbeit (Wahlbereich). Eine Bachelorarbeit in Informatik ist genauso aufgebaut wie eine Bachelorarbeit in anderen Studienfächern: Eine bestimmte Fragestellungen wird selbstständig mittels wissenschaftlicher Methoden bearbeitet. Dazu zählt etwa die Einordnung in die bestehende Literatur und je nach Thema die empirische Analyse oder die Ausarbeitung eines Prototyps, der etwa eine beschriebene Problemstellung löst. Eine Besonderheit, die die Informatik von vielen anderen Disziplinen unterscheidet, ist das imese Rahmen einer Bachelorarbeit oft direkt eine Software-Lösung für ein bestimmtes Problem entwickelt und getestet werden kann. Somit entsteht mitunter nicht nur eine wissenschaftliche Arbeit, sondern auch ein nützlicher Lösungsansatz. 12 ECTS/7 Prozent der Studienleistung.

Die folgende Grafik gibt die typische Gewichte der verschiedenen Studieninhalte wieder:

Typische Gewichtung der Studieninhalte

Erläuterung: Diesen Studienaufbau haben wir von dem Bachelor in Informatik der TU Dortmund abgeleitet. Natürlich unterscheiden sich die Modulbezeichnungen und -inhalte in einigen Bereichen sowie bzgl. der genauen Gewichtung von Universität zu Universität. Dennoch verschafft dir diese Zusammenstellung einen guten Überblick.

4. Karrierekapital

Karrierekapital, eine Funktion mehrerer variablen

Wie flexibel du mit deinem Abschluss auf dem Arbeitsmarkt später wirklich bist, hängt von mehreren Variablen ab. Eine gute Abschlussnote und relevante Praxiserfahrungen, aber auch die Reputation deiner Universität sowie der Aufbau ergänzender Fähigkeiten spielen eine Rolle. Alle diese Faktoren senden potenziellen Arbeitgebern positive Signale und helfen dir dabei, dich von anderen Bewerbern abzusetzen. Insbesondere als Informatiker spielen deine praktischen Erfahrungen und Kenntnisse eine besonders große Rolle und sind deutlich wichtiger als der Ruf der Universität oder gar deine Abschlussnote.

Flexibilität

Mit einem abgeschlossenen Informatikstudium und entsprechenden Praxiserfahrungen bist du hinsichtlich der folgenden drei Dimensionen flexibel: Du kannst entscheiden, was du machen möchtest (Spezialisierung), „wo” du arbeiten möchtest (Branche/Industrie) und auch wie du arbeiten möchtest (als Selbstständiger oder Angestellter). Diese Punkte wollen wir uns kurz etwas detaillierter anschauen:

Grundsätzlich können die Spezialisierungsmöglichkeiten als studierter Informatiker fast unendlich erscheinen. In der Grafik unten zeigen wir einen kleinen Ausschnitt möglicher Spezialisierungen. Übrigens arbeiten ungefähr 90 Prozent der Informatiker im Softwarebereich, während sich 10 Prozent mit Hardware-Fragen beschäftigen.11 Weiter unten im Abschnitt „wachsende und schrumpfende Industrien” geben wir einen Überblick über einige Wachstumsmärkte, in denen im nächsten Jahrzehnt sicherlich die Nachfrage nach fähigen Experten steigen wird.

Eine Frage, die in diesem Zusammenhang oft auftaucht, ist, inwiefern man sich spezialisieren sollte oder eher einem generalistischen Ansatz folgt. Wirst du als Spezialist nicht zwangsläufig unflexibel? Solltest du deine Kenntnisse daher weit streuen? Wir denken, dass die nachfolgenden Aspekte wichtig sind:

  • Das Informatikstudium verschafft dir eine eine solide Basis in den wichtigsten Bereichen. Weiter oben im Abschnitt „Aufbau des Studiums” hast Du gesehen, dass das Studium unabhängig von den Wahl- und Wahlflichtfächern jedem Studenten die wichtigsten Konzepte und Ideen der Informatik vermittelt. Dein Werkzeugkasten wird mit einer ganzen Reihe nützlicher Tools gefüllt, die dir helfen werden, die verschiedensten Probleme zu lösen. Insofern erhältst du ungeachtet deiner sonstigen Aktivitäten (z. B. der Arbeit an Nebenprojekten) als Informatikstudent in jedem Fall eine generalistische Ausbildung.
  • Im Informatik-Kosmos muss man sich spezialisieren, wenn man nicht untergehen möchte. Es ist kein Zufall, dass in den letzten Jahrzehnten im Zuge des Wachstums der Informatik immer mehr Berufsbezeichnungen entstanden sind. Das ist nur ein Spiegelbild der zahlreichen Spezialgebiete. Es ist schlichtweg unmöglich, überall Experte sein. Etwas salopp formuliert wird jemand, der zwei Programmiersprachen sicher beherrscht und damit auch komplexe Applikationen schreiben kann, eher nachgefragt als eine Person, die lediglich die grundlegende Syntax von 12 Sprachen versteht. Eine (gewisse) Spezialisierung ist also nicht nur möglich, sondern notwendig.
  • Wer lernbereit bleibt, kann später noch immer in andere Felder wechseln. Normalerweise sind Spezialisierung und Flexibilität keine Freunde. In der Informatik ist es jedoch meist etwas einfacher, sich in andere Fachgebiete einzuarbeiten und dort Fuß zu fassen. Aufgrund des schnellen Wandels in der Informatik (neue Tools, Programmiersprachen, Algorithmen etc.) und der kurzen Halbwertszeit bestehenden Wissens wird von guten Informatikern ohnehin erwartet, dass sie sich schnell in neue Themengebiete einarbeiten können. Daher ist es auch nicht ungewöhnlich, dass man sich im Verlauf des Berufslebens auf ein neues Gebiet spezialisiert. Wichtig ist lediglich, dass du dir entsprechend schnell neue Kenntnisse aneignen kannst.

Du wirst keine Branche finden, in der keine Informatiker beschäftigt sind. Egal ob im Automobilsektor, im Banking, dem Energiesektor oder der Technologiebranche. Überall arbeiten Informatiker unterschiedlichster Spezialisierung. Wenn du innerhalb deines Tätigkeitsfeldes die Branche wechseln möchtest, ist das meist kein Problem, da sich deine erworbenen Kenntnisse meistens sehr gut übertragen lassen. Anders als in anderen Berufen sind sie nämlich zumeist wenig branchenspezifisch.

Ein erheblicher Teil der Informatiker ist selbstständig und damit erfolgreich.12 Der Großteil davon entfällt auf IT-Freelancer, die Aufträge von Unternehmen (vor allem Großunternehmen) erhalten. Laut einer IT-Freiberufler-Studie von IDG Business Research Services, bei der 917 Interviews durchgeführt wurden, lag der durchschnittliche Stundensatz bei 88,48 Euro. 41 Prozent der IT-Freelancer erzielten einen Umsatz von mindestens 120.000 Euro.13 Insbesondere viele Arbeitnehmer mit sehr guten Fähigkeiten wählen diesen Weg, da sie erkennen, dass sie so bei gleichem Arbeitsvolumen deutlich mehr verdienen können. Freelancing ist nicht nur ein Thema für Informatiker mit jahrelanger Praxiserfahrung. Nicht wenige Uni-Absolventen, die während ihrer Studienzeit bereits nebenher für Unternehmen gearbeitet haben, starten ihre Karriere direkt als Freelancer.

Etwas seltener ist die klassische Unternehmensgründung, bei der etwa (Software-)Produkte oder Beratungsleistungen verkauft werden. Sie birgt typischerweise größere Chancen (Umsatz ist vom eigenen Stundeneinsatz entkoppelt) und größere Risiken (Verlust des gesamten eingesetzten Kapitals). Zusätzlich erfordert eine Unternehmensgründung insbesondere in den ersten Jahren meist einen enormen Zeiteinsatz von 70 Stunden und mehr pro Woche.

Dass sich Informatiker unabhängig vom genauen Pfad (Unternehmertum oder Freelancing) überproportional häufig selbstständig machen, hängt auch mit der Natur von Software zusammen. Wer ein guter Programmierer ist, kann allein aus seinen Ideen (oder den Ideen des Kunden), einem PC und Zeit enormen wirtschaftlichen Wert generieren. Dies ist aus unserer Sicht ein enormer Vorteil der Informatik, der sich in dieser Art nicht vielen Studenten anderer Fachrichtungen bietet. Applikationen sind so gesehen nichts anderes als Lösungen für Problemen. Und da einmal geschriebene Software einfach kopiert werden kann, verändert man mit einer Applikation häufig das Leben von vielen Menschen positiv. Nicht ohne Grund gibt es überproportional viele Internet- und Software-Millionäre. 

An dieser Stelle sind ein paar Worte der Vorsicht geboten: Natürlich wird man als Informatikstudent nicht automatisch zum fähigen Entwickler. Das erfordert viele, viele Stunden zusätzlich neben dem Studium. Genauso ist ein Informatikstudium dafür nicht notwendig: Zahlreiche IT-Selbstständige haben sich ihre Fähigkeiten im Selbststudium angeeignet. All diese Flexibilität kommt also nicht automatisch mit dem Studium, sondern erfordert dein kontinuierliches Engagement über Jahre hinweg.

5. Situation auf dem Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt für Informatiker ist nicht einfach zu analysieren, da Absolventen in vielen unterschiedlichen Funktionen (z. B. als Systemadministrator, als Software-Entwickler, in der Hardware-nahen Programmierung, als IT-Consultant etc.) tätig sind und die aus Unternehmensnachfrage und -angebot resultierende Konkurrenzsituation nicht gleich stark ausgeprägt ist. Diese Unterschiede spiegeln sich auch in der Verteilung der Einstiegsgehälter verschiedener Berufsgruppen wieder: Am unteren Ende der Verteilung bewegt man sich mit einem Jahresbruttogehalt von weniger als 25.000€, während auf der anderen Seite einige Personen (z. B. bei IT-Beratungsboutiquen und den Top-Strategieberatungen) bis zu 90.000€ direkt nach dem Universitätsabschluss erzielen. 50 Prozent der Informatiker bewegen sich jedoch mit ihrem Einstiegsgehalt zwischen 36.800€ und 47.400€ (dazu später mehr). In der folgenden Analyse des Arbeitsmarktes schauen wir uns die folgenden Punkte im Detail an:

  • Konkurrenz. Wie haben sich Angebot und Nachfrage auf dem Markt für Informatiker entwickelt?
  • Kosten und Einstiegsgehälter. Was sind die tatsächlichen Kosten eines dreijährigen Bachelorstudiums? Womit kannst du nach dem Abschluss deines Studiums wirklich rechnen? Inwiefern hängt dein potenzielles Gehalt von deiner Spezialisierung ab?
  • Reallohnentwicklung. Kannst du dir mit deinem Gehalt heute mehr oder weniger leisten als ein Informatiker vor 10 oder 20 Jahren?
  • Automatisierungsrisiken. Welche Tätigkeiten sind von der zunehmend Automatisierung bedroht? Welche Aufgaben kann eine Künstliche Intelligenz schneller und zuverlässiger erledigen?