Fünf Gründe für ein Informatikstudium

Spielst du mit dem Gedanken, Informatik zu studieren? Im heutigen Post wollen wir dir fünf Vorteile des Studiums aufzeigen, die du vielleicht noch nie kennengelernt hast.

Der Hype ist groß

Das Informatikstudium ist beliebt wie noch nie und lag mit mehr als 18.000 Studienanfängern im Wintersemester 2018/19 auf dem zweiten Platz der beliebtesten Studienfächer.1 Ähnlich beliebt war das Informatikstudium auch früher schon einmal: Der ab 1995 einsetzenden New-Economy-Boom zeigte sich nicht nur in steigenden Aktienkursen: Auch viele junge Menschen sahen die Welt der Bits und Bytes als die wachsende Branche der Zukunft. Was lag da näher als ein Informatikstudium, um an diesen Entwicklungen zu partizipieren? Die Studienanfängerzahlen verdoppelten sich in nur zwei Jahren von knapp 9.000 Studienanfängern im Wintersemester 1998/99 auf fast 17.000 Neu-Studenten im Wintersemester 2000/01.2

Diese Begeisterung löste sich mit dem Platzen der Dotcom-Blase  jedoch ebenfalls schnell wieder auf. Die Studienanfängerzahlen fielen in den folgenden fünf Jahren kontinuierlich bis auf etwa 8.500 Studienanfänger im Jahr 2006/07.3

Auch aufgrund der Erfolge von Tech-Unternehmen in der realen Welt wie der Einführung des iPhone, der zunehmenden Beliebtheit von Social-Media Plattformen wie Facebook und Instagram sowie dem Aufstieg von Tech-Riesen wie Amazon und Google erfolgte dann ein erneuter Richtungswechsel, der ab 2010 Fahrt aufnahm und bis heute andauert. Im letztem Jahrzehnt haben sich die Studienanfänger- und Gesamtstudentenzahlen erneut verdoppelt.4

Obwohl insgesamt eine hohe Nachfrage von Unternehmen nach IT-Spezialisten besteht und dieser Artikel auf die Vorteile des Studiums eingeht, wollen wir vorab zumindest erwähnen, dass im Informatik-Universum aus Arbeitnehmersicht längst nicht alles perfekt ist: Beispielsweise liegen zwar 50 Prozent der Durchschnittsgehälter zwischen 45.000 und 60.000 Euro5, festangestellte IT-Hochverdiener (>100.000 Euro) sind jedoch rar. In einigen Unternehmen werden Informatiker im Allgemeinen und Software-Entwickler im Besonderen als austauschbar wahrgenommen. Insbesondere in Teilgebieten der Informatik, die heute schon „überlaufen” sind, nimmt die Konkurrenz aufgrund der steigenden Absolventenzahlen zu.

Ebenso muss man für die meisten der nachfolgend aufgeführten Vorteile (#1, #3, #4 & #5) nicht zwangsläufig Informatik studiert haben, sondern kann sich diese grundsätzlich auch als engagierter Autodidakt aneignen.

Anzahl der Studienanfänger sowie Studenten im Studienfach Informatik seit dem Wintersemester 1998/99

Datenquelle: Studierende: Deutschland, Semester, Nationalität, Geschlecht, Studienfach (2019). Genesis Online-Datenbank. Statistisches Bundesamt. https://www-genesis.destatis.de/genesis//online/data?operation=table&code=21311-0003&levelindex=1&levelid=1572094857256 (Besucht am 10.01.2020). Studienanfänger: Deutschland, Semester, Nationalität, Geschlecht, Studienfach (2019). Genesis Online-Datenbank. Statistisches Bundesamt. https://www-genesis.destatis.de/genesis//online/data?operation=table&code=21311-0003&levelindex=1&levelid=1572094857256 (Besucht am 10.01.2020).

#1 Du bleibst flexibel.

Wenn du dir nicht sicher bist, was du später genau machen möchtest, ist Informatik oft eine gute Wahl. Denn du bleibst sowohl in Bezug auf deinen Schwerpunkt (z. B. App-Entwicklung, hardwarenahe Programmierung, IT-Security oder Machine Learning) als auch bezüglich der Branche (z. B. Tech, Finance, Medizin etc.) flexibel. Da die Informatik längst in allen Wirtschafts- und Lebensbereichen eine große Rolle spielt, kannst du dich später auf die Problemen und Fragestellungen konzentrieren, die dich am meisten interessieren.

Oft spezialisiert man sich auf ein bis zwei Bereiche, in denen man seine Expertise dann vertieft. Wenn du als festangestellter Mitarbeiter für ein Unternehmen tätig bist, wirst du dich vermutlich auf Anwendungsfälle innerhalb dieser Branche konzentrieren. Als Freelancer bist du hingegen in der Regel branchenübergreifend tätig und sammelst daher – innerhalb deines Spezialgebiets – Erfahrung in verschiedenen Wirtschaftsbereichen.

Flexibel bleibst du also hinsichtlich mehrerer Dimensionen:

  • Spezialisierung. Beispiele: Cloud und Distributed Computing, Web Entwicklung, Mobile App Entwicklung, Machine Learning etc.
  • Branche. Beispiele: Finance, Medizin, Pharma, Versicherungen, Automobil, Telekommunikation, Logistik, Tech etc.
  • Tätigkeitsform. Beispiele: Festangestellter Arbeitnehmer, Freelancer, Unternehmensgründer etc.

Da sich viele Gebiete innerhalb der Informatik schnell verändern bzw. weiterentwickeln, wirst du auch nach deinem Studium kontinuierlich weiter Neues lernen müssen, um in deinem Fachgebiet relevant zu bleiben. Daher ist die Informatik nichts für Personen, die sich ungern neue Dinge beibringen. Über eine Karriere von 40 Jahren werden einige der nachfolgenden Bereiche an Relevanz verlieren, während viele neue entstehen.

Die nachfolgenden Grafiken geben dir einen ersten Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten und stellen dir mögliche Anwendungsgebiete von zwei Spezialisierungen (Blockchain und Machine Learning) vor.

Beispielmatrix Spezialisierungen und Branchen

Spezialisierung/Branche Finance Tech Medizin Versicherung ...
Cloud und Distributed Computing ... ... ... ... ...
Data Analytics/Data Science ... ... ... ... ...
Web Development ... ... ... ... ...
Mobile App Development ... ... ... ... ...
Database Management ... ... ... ... ...
User Interface Design ... ... ... ... ...
Software QA and User Testing ... ... ... ... ...
Künstliche Intelligenz und Machine Learning ... ... ... ... ...
IT-Security und Privatsphäre ... ... ... ... ...
Hardwarenahe Programmierung ... ... ... ... ...
Distributed Ledger Technologien (z. B. Blockchain) ... ... ... ... ...
Bioinformatik ... ... ... ... ...
... ... ... ... ... ...

Beispielmatrix Spezialisierungen und Branchen

Spezialisierung/Branche Finance Tech Medizin ...
Cloud und Distributed Computing ... ... ... ...
Data Analytics/Data Science ... ... ... ...
Web Development ... ... ... ...
Mobile App Development ... ... ... ...
Database Management ... ... ... ...
User Interface Design ... ... ... ...
Software QA and User Testing ... ... ... ...
Künstliche Intelligenz und Machine Learning ... ... ... ...
IT-Security und Privatsphäre ... ... ... ...
Hardwarenahe Programmierung ... ... ... ...
Distributed Ledger Technologien (z. B. Blockchain) ... ... ... ...
Bioinformatik ... ... ... ...
... ... ... ... ...

Beispielanwendungen für Blockchain und Machine Learning

#2 Du erhältst ein solides Fundament in einem sich rasant wandelnden Feld.

Das Studium ist kein großer „Programmierkurs“, sondern eine theoretische Grundausbildung in der Informatik. Die Inhalte setzen sich unter anderen aus Logik, viel Mathematik sowie Themen wie Datenstrukturen und Algorithmen zusammen. Der Vorteil: Diese Kenntnisse bleiben unabhängig davon, welche Programmiersprache oder welches Framework gerade beliebt ist, relevant. Und dir fällt es leichter, dich in einen neuen Bereich einzuarbeiten, da du das entsprechende Hintergrundwissen mitbringst. Ohne Informatikstudium stehst du als Autodidakt nämlich häufig – vor allem zum Beginn der Karriere – vor den folgenden Problemen:

Allgemeine Punkte

  • Es ist schwieriger, ein Netzwerk gleichgesinnter Personen aufzubauen (könnte z. B. für eine Unternehmensgründung relevant sein).
  • Du brauchst häufig einige gute Projekte, die deine Arbeit widerspiegeln, um das fehlende Signal eines nicht vorhandenen Studienabschlusses auszugleichen. Dir fehlt nämlich ein Zeugnis von einer staatlich akkredierten Institution (=Universität), mit dem dich potenzielle Arbeitgeber relativ zu anderen Bewerbern einordnen können.
  • Einige Türen (z. B. zu Großkonzernen) bleiben ohne Studienabschluss verschlossen.

Informatik-spezifische Punkte

  • Man nimmt sich häufig nicht genug Zeit, um die theoretischen Grundlagen zu lernen. Diese fehlen dann auch bei der Arbeit an Projekten (z. B. diskrete Mathematik, Datenstrukturen und Algorithmen, Systemarchitektur, Compiler-Design, objektorientierte Entwicklung etc.).
  • Terminologie: Oft fehlen einem die notwendigen Fachtermini, um die Antwort für ein Problem zu finden oder effektiv mit Kollegen zu kommunizieren. Ein Beispiel hierfür wäre die Big-O-Notation, die genutzt wird, um die Komplexität eines Algorithmus näherungsweise zu bestimmen.
  • Man hat einen schlechten Überblick über den Gesamtbereich Informatik. Bei der Problemlösung geht man deshalb unwissentlich häufig Umwege, da einem andere, bessere Lösungsansätze schlichtweg nicht bekannt sind („If you have a hammer, everything looks like a nail.“).

#3 Du kannst aus „Nichts“ etwas Sinnvolles schaffen.

Als Entwickler kannst du allein aus einer Idee, deinen Kenntnissen und einem Laptop ein echtes Produkt (z. B. eine Desktop-, Smartphone- oder Web-Applikation) schaffen, das andere Menschen nützlich finden und kaufen wollen.

Das ist ein Alleinstellungsmerkmal des Studiums, das häufig unterschätzt wird. Kein Betriebswirt, Mediziner oder Jurist erlernt das Handwerkszeug, um allein aus diesen drei „Zutaten“ einen realen Nutzen für andere zu schaffen. So fällt es dir deutlich einfacher als Absolventen anderer Studienfächer, einen zusätzlichen Einkommensstrom zu schaffen (z. B. als Freelancer) oder ein (Software-)Unternehmen zu gründen, da du die Leistung bzw. den Service selbst erbringen kannst. In jedem Fall hast du die Chance, nicht allein von einer Anstellung als Arbeitnehmer abhängig zu sein. Das ist sicherlich ein Vorteil für alle, die sich (a) für die Informatik interessieren und (b) nicht abgeneigt sind, etwas Eigenes zu kreieren.

Natürlich musst du dir dafür neben dem Studium noch zusätzliche Kenntnisse aufbauen, da das Studium einen starken theoretischen Fokus hat und dir nur einen Bruchteil der notwendigen Kenntnisse vermittelt.

Übrigens benötigst du nicht für jede Idee zwangsläufig ein großes Team. In der nachfolgenden Tabelle sind einige (willkürlich ausgewählte) Unternehmensbeispiele von Einzelgründern aufgeführt. Die Umsätze aus allen diesen Projekten ersetzen mindestens ein Vollzeiteinkommen und werden größtenteils bis heute allein von einer Person gemanagt.

Natürlich sind auch in der Software-Welt die meisten Ideen später nicht von Erfolg gekrönt. Da man zumeist aber nichts weiter als seine eigene Zeit benötigt, um eine erste Testversion eines Produkts zu entwickeln, hält sich das finanzielle Risiko doch sehr in Grenzen.

Zufällige Auswahl von erfolgreichen Einzelgründungen in der Softwarebranche

Name Kurzbeschreibung Umsatz/Gewinn pro Jahr Geschäftsmodell
Unbekannt Website-Templates für WordPress verkauft über Themeforest $100k (Gewinn) Einmalzahlung
Betalyst.com Analyse- und Vorhersage-Website für Fußball-Sportwetten $75k (Gewinn) Werbung, Sponsorhsip & Affiliate Marketing
Nomadlist.com Globale Community für internationale Reisende, die ortsunabhängig arbeiten $400k (Umsatz) Mitgliedsbeitrag für Community
Algoexpert.io Website mit integriertem Code-Editor und Erklärvideos, die Software-Entwickler auf ihre Interviews vorbereitet >$600k (Umsatz) Einmalzahlung
JollyTurns App, die die wichtigsten Infos zum Skigebiet für Skifahrer und Snowboarder zusammenfasst Unbekannt In-App-Käufe
Watermark Image Programm, das automatisch ein Wasserzeichen auf allen relevanten Photos generiert, sodass sie z. B. online besser geschützt sind $60k (Umsatz) Einmalzahlung
Ngrok Ein Befehl für eine sofortige, sichere URL zum localhost Server durch jede NAT oder Firewall Unbekannt Monatliches Abonnement
Sidekiq Open-Source-Backgroundjob-Framework für die Programmiersprache Ruby $1.000k (Umsatz) Monatliches oder jährliches Abonnement
Eine umfangreichere Liste für Interessierte ist hier zu finden (englischsprachig).

Zufällige Auswahl von erfolgreichen Einzelgründungen in der Softwarebranche

Name Kurzbeschreibung Umsatz/Gewinn pro Jahr
Unbekannt Website-Templates für WordPress verkauft über Themeforest $100k (Gewinn)
Betalyst.com Analyse- und Vorhersage-Website für Fußball-Sportwetten $75k (Gewinn)
Nomadlist.com Globale Community für internationale Reisende, die ortsunabhängig arbeiten $400k (Umsatz)
Algoexpert.io Website mit integriertem Code-Editor und Erklärvideos, die Software-Entwickler auf ihre Interviews vorbereitet >$600k (Umsatz)
JollyTurns App, die die wichtigsten Infos zum Skigebiet für Skifahrer und Snowboarder zusammenfasst Unbekannt
Watermark Image Programm, das automatisch ein Wasserzeichen auf allen relevanten Photos generiert, sodass sie z. B. online besser geschützt sind $60k (Umsatz)
Ngrok Ein Befehl für eine sofortige, sichere URL zum localhost Server durch jede NAT oder Firewall Unbekannt
Sidekiq Open-Source-Backgroundjob-Framework für die Programmiersprache Ruby $1.000k (Umsatz)
Eine umfangreichere Liste für Interessierte ist hier zu finden (englischsprachig).

#4 Deine Arbeit ist skalierbar.

Als (Software-)Entwickler steht am Ende deiner Arbeit häufig ein fertiges Programm oder eine Applikation, die irgendein Problem löst. Da Software, sobald sie einmal geschrieben und getestet wurde, praktisch kostenfrei vervielfältigt werden kann, hast du die Chance, mit deiner Arbeit das Leben vieler Menschen zu berühren. Selbst wenn du auf jede einzelne Person nur einen kleinen Effekt hast (z. B. durch eine nützliche App), summiert sich dies bei hunderten oder gar tausenden Downloads schnell zu einem beträchtlichen Gesamteffekt.

Das ist ein weiterer Vorteil, der auch den vorherigen Punkt ergänzt: Vielen Informatikern gelingt es nur deshalb, ein erfolgreiches Unternehmen oder einen Service aufzubauen, weil Software hervorragend skalierbar ist. Ein Beispiel macht das etwas offensichtlicher: Der Besitzer eines Restaurants kann beispielsweise nicht nach Wunsch skalieren, da er nicht beliebig viele Tische in sein 70 Quadratmeter großes Restaurant packen kann. Er stößt dort an eine Kapazitätsgrenze, die sich nur durch zusätzliche Fixkosten (=Miete eines zweiten, dritten und x-ten Lokals) überwinden lässt. Ein Software-Unternehmer hingegen kann seine Applikation beliebig oft verkaufen, ohne dass dabei weitere (nennenswerte) Kosten enstehen würden. Insofern fällt es ihm deutlich leichter, mehr Menschen zu erreichen.

Natürlich erreichst du auch als angestellter Software-Entwickler mit deiner Arbeit viele Menschen. Ein neues Produkt oder ein neues Feature in einem bestehenden Produkt erreicht alle Kunden des Unternehmens und damit erzielst du im Rahmen deiner Arbeit natürlich einen positiven Effekt. Der Unterschied ist lediglich, dass du nicht finanziell von der Skalierbarkeit profitierst. 

Die nachstehende Grafik illustriert das Konzept. Auf der x-Achse ist die Anzahl der Anwender bzw. Kunden abgetragen, auf der y-Achse hingegen siehst du den erbrachten Nutzen pro Anwender. Ein Nischenprodukt (z. B. eine Spezialsoftware für Steuerberater) generiert typischerweise einen hohen Nutzen pro Kunde, aber der Markt insgesamt ist verhältnismäßig klein. Umgekehrt gibt es viele Produkte für ein breiteres Publikum, die jedem einzelnen Nutzer oft einen kleinen Mehrwert bieten (z. B. eine Gaming-App). Beide in der Grafik abgebildeten Rechtecke haben wir mit Absicht gleich groß dargestellt, da du schlussendlich auf beide Arten (Nischenprodukt mit hohem Nutzen pro Kunde vs. Massenprodukt mit niedrigem Nutzen pro Kunde) den denselben Gesamtnutzen (Nutzen pro Person x Anzahl Nutzer) erzielen kannst.

Gesamtnutzen = Nutzen pro Anwender x Anzahl der Anwender

#5 Die Spezialisierung auf ein wachsendes Feld kann ungemein wertvoll sein.

Besonders gefragt sind Personen, die sich zusätzlich zum Fundament aus dem Studium Fähigkeiten in einem Bereich aufbauen, der momentan stark wächst und in dem Talente daher knapp sind. Viele gute Leute arbeiten in so einem Bereich (z. B. IT-Security, Cloud Computing oder Machine Learning) als Freelancer, da sie dann meistens am besten bezahlt werden. Unternehmen müssen dieses Spezialwissen nämlich häufig extern einkaufen, da es außerhalb ihrer Kernkomptenzen liegt und Personen mit den notwendigen Fähigkeiten im Unternehmen fehlen. Gut 40 Prozent der IT-Freelancer erzielen einen Gesamtumsatz von über 120.000 Euro, mehr als jeder Fünfte kann mehr als 160.000 Euro in Rechnung stellen.6 Bei Freelancern, die in stark nachgefragten Bereichen tätig sind, dürften diese Zahlen noch höher liegen.

Grundsätzlich durchläuft jedes Feld drei Phasen: Marktfindung, Wachstum und Sättigung. In der Marktfindungsphase entsteht entweder ein neues Feld oder einem bereits bestehenden Bereich wird neues Leben eingehaucht. Ausgelöst wird diese Phase häufig durch eine technische Neuerung auf Hardware- oder Softwareseite. Zu Anfang gibt es meistens nur wenige Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind und noch weniger Personen, welche die notwendigen Kenntnisse mitbringen.

Mit einem steigendem Bekanntheitsgrad der Technologie wächst die Branche. Mehr und mehr Unternehmen steigen in den Markt ein, existierende Firmen gründen neue Abteilungen in diesem Bereich: Da die Nachfrage (Unternehmen, die fähiges Personal suchen) deutlich schneller wächst als das Angebot (Personen, die diese Fähigkeiten mitbringen), entbrennt ein Kampf um kompetente Bewerber. Unternehmen überbieten sich gegenseitig mit Angeboten und die Löhne steigen. In Abhängigkeit vom Wachstum des Bereichs und dem Zustrom an Talenten kann die Wachstumsphase, in der Talente rar sind, kürzer (etwa 1 – 3 Jahre) oder länger (etwa 5 – 10 Jahre) andauern.

Irgendwann kippt dieses Ungleichgewicht dann jedoch zugunsten der Arbeitgeber, da immer mehr Menschen in diesen Bereich strömen (Sättigungsphase). Mit der Zeit werden beispielsweise oft neue Studiengänge geschaffen, die junge Menschen genau für diesen Bereich schulen sollen. Das macht es einfacher, sich sämtliche relevanten Kenntnisse anzueignen. Früher oder später übersteigt die Anzahl der fähigen Bewerber die Anzahl der offenen Stellen. Die (Real)Löhne stagnieren zunächst und sinken dann, da nun zahlreiche geeignete Bewerber um dieselbe Stelle konkurrieren und daher Arbeitsplätze knapp sind.

Ein Web-Developer, der Mitte der neunziger Jahre in das Geschäft einstieg, sollte mit allen diesen Phasen vertraut sein. Klassisches Web-Development war lange ein einträgliches Geschäftsfeld: Jedes Unternehmen, jede Organisation und viele Privatpersonen wollten eine Website und einen zeitgemäßen Onlineauftritt haben. Es herrschte Goldgräberstimmung und immer mehr Menschen konzentrierten sich auf den Bereich. Da mit der Zeit mehr und mehr Wissen online zur Verfügung stand, wurde es immer einfacher, sich die nötigen Kenntnisse aneignen. Zudem entstand zusätzliche Konkurrenz durch die Vereinfachung der Webentwicklung. Mit Baukasten-Systemen wie Elementor oder Wix sind immer mehr kleine Unternehmen und Privatpersonen in der Lage, ihre Website selbst zu gestalten, ohne dass sie auf die Hilfe eines Web-Entwicklers angewiesen sind.

Durch diese Entwicklungen kippte die Marktlage und die Löhne und Stundensätze fielen: Heute verdient der durchschnittliche Web-Entwickler in Deutschland nur noch 36.500 Euro.7

Insofern schadet es nicht, wenn man ungefähr einordnen kann, wo sich das anvisierte Feld in diesem Zyklus befindet. Eine schlechte Idee wäre es, sich ausgerechnet auf einen Bereich zu konzentrieren, indem bereits heute die Konkurrenz hoch ist.

Die drei Entwicklungsphasen eines Feldes

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Referenzen und Erläuterungen

  1. Studienanfänger: Deutschland, Semester, Nationalität, Geschlecht, Studienfach (2020). Genesis Online-Datenbank. Statistisches Bundesamt. https://www-genesis.destatis.de/genesis//online/data?operation=table&code=21311-0003&levelindex=1&levelid=1572094857256 (Besucht am 10.01.2020).
  1. Ibid.
  1. Ibid.
  1. Ibid.
  1. Wir haben die Durchschnittsgehälter aller IT-relevanten Berufe auf der Plattform Gehaltsvergleich.com recherchiert und diese dann aufsteigend sortiert. Die mittleren 50 Prozent der Durchschnittsgehälter lagen zwischen 45.000 und 60.000 Euro.
  1. Studie IT-Freiberufler 2018. IDG Research Services. S. 16. https://www.hays.de/documents/10192/118775/idg-studie-2018-freiberufler.pdf/f8b5c633-cb34-8c55-7a3f-1b627b6bb330 (Besucht am 10.01.2020).
  1. Web-Developer Gehalt bundesweit. Gehaltsvergleich.com. https://www.gehaltsvergleich.com/gehalt/Web-Developer (Besucht am 10.01.2020).