7 Anzeichen, dass du dich für das falsche Studienfach entschieden hast

Bist du dir unsicher, ob du die richtige Studienentscheidung treffen wirst? Oder bist du bereits im Studium und überlegst, ob dein Studienfach tatsächlich zu dir passt? Unser heutiger Post kann hoffentlich ein bisschen Licht ins Dunkel bringen und dir zeigen, ob eine Neuorientierung sinnvoll ist.

130.000 falsche Studienentscheidungen pro Jahr

Die Studienabbrecherquote schwankt von Fach zu Fach, von Hochschule zu Hochschule und von Jahr zu Jahr. Im Mittel liegt sie jedoch ungefähr bei 30 Prozent.1 Bei jährlich gut 430.000 Studienanfängern bedeutet dies, dass jedes Jahr ca. 130.000 Studenten ihr Studium vorzeitig beenden.

Diese 130.000 jungen Menschen müssen sich dann zwangsläufig neuorientieren. Das ist mühsam für den Einzelnen und kostspielig für die Volkswirtschaft. Falls man die Abbrecherquote beispielsweise nur um einen Prozentpunkt senken könnte, bliebe 4.300 Menschen ein Studienabbruch erspart.

Unser heutiger Blogpost versucht, einen kleinen Beitrag dazu beizutragen: Wir stellen dir sieben Anzeichen für eine falsche Studienentscheidung vor. Die ersten vier beziehen sich auf die Zeit vor dem Studienbeginn, wenn du dich noch nicht entschieden hast, was du später machen möchtest. Die letzten drei Anzeichen sind hingegen relevant, wenn du dich bereits im Studium befindest.

Studienabbrecherzahlen in unterschiedlichen Studienfächern (Studienanfängerjahrgang 2010/11)

Studienfach Abbruchquote Anzahl Studienabbrecher
Pädagogik/Sport 19% 934
Psychologie 3% 200
Rechtswissenschaften 37% 5.372
Wirtschaftswissenschaften 24% 2.970
Sozialwissenschaft 18% 499
Mathematik 43% 4.380
Informatik 43% 4.448
Physik/Geowissenschaften 40% 2.933
Chemie 41% 3.568
Biologie 23% 1.805
Geographie 11% 357
Maschinenbau 32% 5.895
Elektrotechnik 43% 4.806
Bauingenieurwesen 39% 3.627
Architektur 22% 1.306
... ... ...
Bachelor insgesamt 29% 112.207

Datenquelle: Studierende: Deutschland, Semester, Nationalität, Geschlecht, Studienfach (2019). Genesis Online-Datenbank. Statistisches Bundesamt. https://www-genesis.destatis.de/genesis//online/data?operation=table&code=21311-0003&levelindex=1&levelid=1572094857256 (Besucht am 26.10.2019). Heublein, U., Ebert, J., Hutzsch, C., Sören, I., König, R. und A. Woisch (2017). Zwischen Studienerwartungen und Studienwirklichkeit: Ursachen des Studienabbruchs, beruflicher Verbleib der Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher und Entwicklung der Studienabbruchquote an deutschen Hochschulen. Forum Hochschule 1 (2017). S. 290. http://www.dzhw.eu/pdf/pub_fh/fh-201701.pdf (Besucht am 05.04.2019).

VOR STUDIENBEGINN

Man kann nicht nur aus den eigenen Fehlern lernen. Viele Fehler lassen sich vermeiden, bevor man sie macht. Fast immer kann man zumindest vorab die Wahrscheinlichkeit für einen Fehler verringern: Wer sich gesund ernährt, wird wahrscheinlich nicht an Diabetes Typ II erkranken. Wer vorsichtig Auto fährt, macht einen Unfall unwahrscheinlicher. Und wer gewissenhaft seine Zukunft plant, muss vermutlich später keine Kurskorrektur vornehmen.

Aber genug der einleitenden Worte: Hier sind unsere sieben Anzeichen, dass du dich (womöglich) für das falsche Studienfach entschieden hast.

#1 Du hattest keine Idee, was du alternativ tun könntest.

Verlegenheitsentscheidungen treffen wir häufig, wenn wir uns unter Zeitdruck entscheiden müssen, uns alternative Optionen fehlen oder uns von der Auswahl überfordert fühlen. Leider treten Verlegenheitsentscheidungen nicht nur bei alltäglichen und unwichtigen Entscheidungen (z. B. bei der Nudelauswahl im Supermarkt), sondern eben auch bei bedeutsamen Entschlüssen auf.

Bei der Auswahl des Studienfachs kommt es vereinfacht betrachtet bei einigen angehenden Studenten zum folgenden Entscheidungsablauf:

Verlegenheitsentscheidungen: Jura und Betriebswirtschaftslehre

Viele Abiturienten suchen ein Studienfach mit geringem Mathematik- und Technikanteil und gleichzeitig guten Zukunftsaussichten. Oft landen sie dann bei einem BWL- oder Jurastudium. Ob diese Fächer tatsächlich gute Zukunftsaussichten bieten, lassen wir in diesem Fall einmal außen vor. Zumindest entscheiden sich viele angehende Studenten für diese Fächer, weil sie glauben, dass sie Sicherheit und ein solides Einkommen versprechen.

Doch diese Entscheidung nach dem Ausschlussprinzip muss nicht zum Erfolg führen: So fehlt vielen BWL- und Jurastudenten die Motivation für einen erfolgreichen Abschluss, da sie im Studium merken, dass sie sich nicht für die Inhalte des Studiums interessieren. 

Falls auch du dein Studienfach mangels besserer Alternativen ausgesucht hast, solltest du deine Entscheidung vielleicht noch einmal kritisch prüfen. 

Und das führt uns direkt zum nächsten Punkt.

#2 Du hast keine Ahnung, was dich konkret im Studium erwartet.

Ein Grund, weshalb Studienrealität und Studienerwartungen häufig auseinanderklaffen, sind unzureichende Informationen. Wenn du nicht weißt, welche Inhalte dich in den Kursen deines Bachelors erwarten, bist du schlecht informiert. Konkret solltest du vor deiner Einschreibung mindestens die folgenden Punkte erfüllen:

  • Du hast dich mit (ehemaligen) Studenten des Fachs unterhalten und dir die Vor- und Nachteile des Studiums erklären lassen
  • Du hast dir das Curriculum angeschaut sowie die Kursbeschreibungen durchgelesen und weißt daher, wo der thematische Schwerpunkt des Fachs insgesamt und deines Studiengangs im Speziellen liegt
  • Du hast dir probeweise einige Vorlesungen angehört (online oder auf dem Campus)

Ohne diese Schritte gehst du das Risiko ein, im Studium negativ überrascht zu werden. Vielleicht findest du ein Großteil der Kurse langweilig oder du musst feststellen, dass du die Inhalte nicht verstehst, weil du an deinen Stärken vorbei studierst.

#3 Du erfüllst den Wunsch einer anderen Person

Dieses Schicksal trifft vermehrt angehende Mediziner und Juristen, die die Familienpraxis- oder kanzlei fortführen sollen und von ihren Eltern sanft oder auch mit Nachdruck in diesen Beruf geführt wurden. Wenn du deine berufliche Zukunft an fremden Wünschen ausrichtest, erwarten dich später Probleme an mehreren Fronten: Zum einen wirst du dann im Studium und auch im späteren Beruf unzufrieden, da du stattdessen lieber einen anderen Weg eingeschlagen hättest. Zum anderen wird sich vermutlich das Verhältnis zu deinen Eltern problematisieren, die dich zur Praxis-, Kanzlei- oder Unternehmensfortführung gedrängt haben.

Es gibt aber noch weitere problematische Konstellationen, die zu demselben Ergebnis führen: Manchmal versucht ein Elternteil leider auch, seine unverwirklichten Träume durch die eigenen Kinder zu realisieren. Egal, ob Vater oder Mutter das Medizinstudium, eine Karriere als Schauspieler oder ein politischer Werdegang verwehrt blieb: Die Selbstverwirklichung über den eigenen Nachwuchs führt fast immer ins Unglück, da sie ein eigenbestimmtes Leben der Kinder unmöglich macht.

Eine drittes und recht häufiges Szenario ist die Wahl der Studienstadt basierend auf der Entscheidung des Freundes oder Freundin. Spätestens wenn die Beziehung zu Ende geht, stellt sich das als schlechte Entscheidung heraus. Denn häufig muss man, um in der gleichen Stadt studieren zu können, Kompromisse machen: Womöglich bietet die Universität in der Stadt, in der der Partner studieren wird, nicht den Schwerpunkt an, der dich interessiert. Dann müsstest du andere Kurse belegen und einen Schwerpunkt wählen. Vielleicht müsstest du sogar ein anderes, verwandtes Studienfach wählen, weil dein Wunschfach dort nicht angeboten wird. In der Regel ist es auch so, dass der dominante Partner seine Entscheidung bereits getroffen hat und dem Freund oder der Freundin lediglich die Option gibt, ihm oder ihr „nachzureisen”.

#4 Du hast dich an einem Studien-Interessentest orientiert

Viele Online-Studien-Interessentests werben mit verschiedenen Vorteilen: Sie seien wissenschaftlich fundiert, schnell verfügbar (das Test-Ergebnis erhält man oft bereits nach 15 Minuten) und empfehlen passende Studiengänge. Leider ist vieles von dem Versprochenem problematisch:

(1) Von einem wissenschaftlich fundierten Test zu sprechen, ist zumindest fragwürdig, da der Zusammenhang zwischen dem Testergebnis und der späteren Job-Performance und Jobzufriedenheit eher gering ist.

Dazu muss man wissen, dass diese Studium-Interessentests auf einem vom Psychologen John Holland entwickelten Modell für das Job-Matching basieren. Danach können Menschen in sechs Kategorien (Realistisch („Macher“), Investigativ („Denker“), Artistisch („Kreative“), Sozial („Helfer“), Unternehmerisch („Überzeuger“) und Konventionell („Organisierer“)) eingeteilt werden. Die meisten Menschen stimmen mit diesen sechs Typen mehr oder weniger stark überein, sodass bei einigen die Gemeinsamkeiten schwächer und bei anderen stärker ausgeprägt sind. Aus den drei dominanten Typen ergibt sich der eigene „Holland-Code“, anhand dessen dann passende Berufe und Ausbildungsoptionen vorgeschlagen werden. Doch wie bewertet die Wissenschaft diese Methode?

Eine Studie, die Holland’s Theorie im Rahmen einer Analyse von Person-Environment-Fit-Modellen untersucht hat, hält diese für nicht valide. Denn es gibt mehrere Wege, um die Übereinstimmung zwischen einer Person und dem Arbeitsumfeld zu messen. Je nachdem, welchen Maßstab man heranzieht, ergeben sich komplett andere Prognosen.2 Das ist ein Problem für Holland’s Theorie, da sie auch von der Empirie keine Rückendeckung erhält: Die Studie konnte keine Korrelation zwischen Holland’s Zuordnungsmodell und der Jobzufriedenheit feststellen.

Zwei Meta-Studien mit jeweils ungefähr 9.000 Teilnehmern fanden eine schwache Korrelation zwischen der Zuordnung nach Holland und der Jobzufriedenheit. Während die eine Studie eine Korrelation von 0,1 errechnete, lag sie bei der anderen bei 0,2.3 Das sind geringere Werte: So können nur ein bis vier Prozent der festgestellten Variation der Jobzufriedenheit durch Holland’s Matching-Modell erklärt werden.

Eine weitere Meta-Studie, die die Ergebnisse aus 26 Einzelstudien analysierte, findet eine Korrelation von 0,16 bis 0,17 zwischen Holland-Type-Zuordnungen und der Jobzufriedenheit.4 Noch eine andere Studie errechnet eine Korrelation zwischen verschiedenen Holland-Verfahren und der Arbeitsleistung (nicht Jobzufriedenheit!) von 0,21 bis 0,27.5

Die bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen insgesamt, dass Holland’s Zuordnungsmodell eher schwach mit der Jobzufriedenheit (und der Arbeitsleistung) korreliert. Daher sollte man es sicherlich nicht als zentrales Instrument bei der Studien- oder Berufswahl verwenden.

(2) Viele Fragen des Tests kann man einfach nicht sinnvoll beantworten, da man als Abiturient ohne Grundwissen in den abgefragten Bereichen nicht einschätzen kann, ob man sich für die jeweilige Tätigkeit interessiert.

Beispielsweise soll man in diesen Online-Tests einschätzen, wie sehr man sich für die folgenden Tätigkeiten interessiert:

  • ein eigenes Unternehmen gründen und führen
  • elektrische Geräte montieren, anschließen und einbauen
  • einen Prototypen für eine technische Neuentwicklung entwerfen
  • Verträge und juristische Schriftstücke präzise und fehlerfrei formulieren
  • die Bilanzen und Geschäftszahlen eines Unternehmens kontrollieren
  • sich mit der Planung, Entwicklung und Nutzung von Städten und Regionen befassen
  • Forschungsergebnisse auf einem wissenschaftlichen Kongress vorstellen

Nahezu kein Abiturient wird Erfahrung mit auch nur einem der zuvor genannten Punkte haben. Und so bewertet man sein Interesse allein nach Gefühl. Das birgt Gefahren, da einige interessant klingende Tätigkeiten (z. B. ein eigenes Unternehmen gründen oder einen Prototypen für eine technische Neuentwicklung entwerfen) in der Realität oft deutlich weniger glamourös sind. Umgekehrt können sich monoton anmutende Aufgaben (z. B. Verträge und juristische Schriftstücke fehlerfrei formulieren oder die Bilanzen und Geschäftszahlen eines Unternehmens kontrollieren) für einige Personen als spannend entpuppen, wenn man sich mit ihnen auseinandersetzt.

Wie sinnvoll kann ein Testergebnis sein, bei dem ein Teil der Fragen bestenfalls aufgrund eines vagen Gefühls beantwortet werden kann?

(3) Man bekommt nur Standardoptionen vorgeschlagen.

Output eines Studium-Interessentests sind Studiengänge, die zu deinem Holland-Code passen. In der Natur der Sache liegt dabei, dass einem lediglich Alternativen vorgeschlagen werden, die bereits als Studiengang existieren und für die sich hunderte oder tausende Personen vor einem entschieden haben.

Das muss natürlich keineswegs schlecht sein. Es bedeutet aber, dass man bei einem solchem Test keine Vorschläge erhalten wird, mit denen man Neuland betritt und möglicherweise einen individuellen Weg beschreitet.

Daher engt man seine Optionen mit einem Studien-Interessentest häufig künstlich ein.

(4) Es wird suggeriert, dass man nicht mehr als 15 Minuten benötigt, um zu entscheiden, was man später machen möchte.

Wie kann man in nur 15 Minuten entscheiden, wie die eigene Zukunft aussehen soll? Die Idee, dass man sozusagen während der Halbzeitpause eines Fußballspiels sein Studienfach ermitteln kann, sollte Bedenken und Zweifel an der Methode wecken.

Ist es sinnvoll, wenn man weder mit ehemaligen noch mit derzeitigen Studenten des anvisierten Studienfachs sprichst? Ist es klug, eine Entscheidung zu treffen, ohne seine Annahmen zu testen? Und ist es wirklich clever, wenn man lediglich nach seinem Interesse entscheidet und alle anderen Faktoren (z. B. Impact und Automatisierungsrisiko des Berufs, die eigenen Stärken, Zukunftspotenzial etc.) außen vor lässt?

Natürlich nicht.

Und genau deshalb ist der Fokus, der auf ein möglichst schnelles Ergebnis gelegt wird, falsch. Solch ein Ansatz ist realitätsfern und steht einer durchdachten Entscheidung entgegen.

NACH STUDIENBEGINN

#5 Du findest keinen Kurs wirklich spannend.

Wenn du dich zu jedem Vorlesungs- oder Übungsbesuch zwingen musst, und alle Kurse gleichermaßen langweilig wirken, ist es kein Wunder, dass du über eine Neuorientierung nachdenkst. Das sollte definitiv nicht der Normalzustand im Studium sein. Natürlich hat man manchmal langweilige Kurse oder Aufgaben, die zu bewältigen sind. Doch wenn dieser Zustand die Regel und nicht die Ausnahme ist, wird das Studium schnell zur Qual.

Du solltest stattdessen im Studium regelmäßig Phasen haben, wo du dich im „Flow” fühlst. Mihály Csíkszentmihályi hat diesen Begriff bereits 1975 geprägt, als er z. B. Chirurgen und Extremsportler beobachtete, die völlig in ihrer Tätigkeit aufgingen.6 Wenn du dich im Flow befindest, bist du vollkommen vertieft in deine Tätigkeit, verlierst häufig das Zeitgefühl oder auch das Bedürfnis etwas zu essen oder zu trinken. Du bist sozusagen in einem produktiven Schaffensrausch gefangen.

Flow ensteht am Übergangspunkt zwischen Langeweile und Angst: Deine Tätigkeit ist weder so repetitiv und monoton, dass du Schwierigkeiten hast, dich zu konzentrieren, noch derart komplex und überwältigend, dass du komplett überfordert bist. Das Bemerkenswerte am Flow-Zustand ist, dass sich Arbeit eben nicht wie Arbeit anfühlt, sondern fast automatisch abläuft.

Im Studium erreicht man einen solchen Zustand häufig bei der Bearbeitung von Probe- oder Altklausuren, Übungsblättern oder einer eigenen Projektarbeit. Wenn du studierst und keine Ahnung hast, welchen Zustand wir hier beschreiben, warst du wahrscheinlich noch nie im Flow.

Auslöser für fehlende Flow-Momente kann Langeweile oder Überforderung sein. Gründe für Langeweile im Studium gibt es viele. Häufig besteht eine Lücke zwischen Studienerwartungen und Studienrealität: Man hat sich unter dem Studium etwas anderes vorgestellt und wurde dann von den tatsächlichen Studieninhalten überrascht (z. B. ein Informatikstudent, der dachte, dass das Studium eine einzige große Coding-Übung sei).

Unser nächstes Anzeichen hilft dir zu verstehen, ob du mit deinem Studium vielleicht überfordert bist.

Zwischen Überforderung und Langeweile

#6 Du brauchst deutlich länger als deine Kommilitonen, um den Studienstoff zu verstehen.

Dieser Punkt ist eng mit dem vorherigen verknüpft: Bist du deutlich langsamer als die meisten deiner Kommilitonen? Brauchst du länger, um relevante Konzepte zu verstehen? Rennt dir in Klausuren die Zeit davon und bekommst du keine der Transferaufgaben gelöst? Dann bist du wahrscheinlich mit deinem Studium überfordert.

Überforderung kann verschiedene Ursachen haben. Häufig passt das Studium einfach nicht zu deinen Stärken und Talenten. Manchmal ist aber auch unzureichendes Engagement bzw. fehlender Arbeitseinsatz im Studium Auslöser des Problems. Oft hat man intuitiv ein Gefühl dafür, was der wirkliche Grund für die schlechten Leistungen ist. Zum Glück kannst du relativ einfach testen, worauf der ausbleibenden Erfolg im Studium zurückzuführen ist. Angenommen, du befindest dich momentan im Punkt A (niedriger Arbeitseinsatz, Studienmisserfolg) der Grafik: Was passiert, wenn du dich in der kommenden Prüfungsphase zum gewissenhaften Arbeiten disziplinierst? Wenn du dich so gut wie möglich auf deine Klausuren vorbereitest?

Stehst du dann (deutlich) besser da als zuvor? Verstehst du die Inhalte und Zusammenhänge? Hast du bessere Noten geschrieben (Punkt B)? Oder hat sich deine Situation kaum verbessert? Bleiben Konzepte und Modelle weiterhin unverständlich (Punkt C)? Im ersten Fall hing der fehlende Erfolg mit deinem unzureichenden Arbeitseinsatz zusammen. Sobald du dich mehr angestrengt hast, verbesserten sich auch deine Leistungen. Im zweiten Fall hingegen wurden deine Anstrengungen nicht belohnt. Dann ist es wahrscheinlich, dass du tatsächlich einfach überfordert bist. Eine Neuorientierung kann dann der richtige Schritt sein.

ARBEITSLEISTUNG und STudien(MISS)ERFOLG

#7 Du siehst keinen Bezug zu deiner späteren Tätigkeit.

Wenn du bereits im Studium erkennst, dass du deine Studienkenntnisse im späteren Beruf nicht einbringen kannst, dann studierst die momentan wahrscheinlich „in die falsche Richtung”.

An diesem Punkt wird der eine oder andere denken, dass dies doch eher der Regelfall ist: Ist es nicht in vielen Studienfächern üblich, dass man seine Studienkenntnisse nicht eins zu eins im Beruf anwenden kann? Und das stimmt auch. Ein BWL-Absolvent wird vermutlich in seiner beruflichen Laufbahn vermutlich nie mehr als 10 – 20 Prozent seines erworbenen Wissens konkret anwenden.

Dennoch gibt es einen wichtigen Unterschied: Der Betriebswirt aus unserem Beispiel bekommt im Studium einen Überblick über die Grundlagen der Betriebswirtschaftlehre (z. B. Rechnungslegung, Marketing, Produktion etc.) und entscheidet sich dann für ein Spezialgebiet. Insofern bieten ihm auch die 80 Prozent, die er später nicht mehr nutzt, einen Mehrwert, da er dadurch erkennt, welche Bereiche ihm (nicht) liegen. Wenn du jedoch etwa als Biologiestudent im zweiten Semester erkennst, dass du später als Fluglotse arbeiten möchtest, geht der berufliche Nutzen des Studiums gegen null. Du brauchst keine Orientierung innerhalb des Studiengebiets, sondern möchtest etwas komplett anderes tun.

Ob ein sofortiger Neustart sinnvoll ist oder du dein Studium besser doch noch abschließen solltest, hängt unter anderem von den folgenden beiden Aspekten ab:

  • Studiendauer bis zum Abschluss. Wenn du gerade mitten im ersten Studiensemester bist und bereits weißt, dass du später etwas vollkommen anderes machen wirst, ist der Fall relativ eindeutig: Es macht keinen Sinn, noch fünf weitere Semester in etwas zu investieren, das du dann nie anwenden wirst. Falls dich jedoch umgekehrt nur noch eine Klausurenphase vom erfolgreichen Studienabschluss trennt, sieht die Situation anders aus. Vermutlich möchtest du dann dein Abschlusszeugnis mitnehmen, das dir Disziplin, Arbeitswillen und Intelligenz bescheinigt.
  • Signalwirkung des Studiums. Der Abschluss eines kompetitiven oder komplexen Studiengangs sendet ein positives Signal an potenzielle Arbeitgeber. Begehrte Universitäten können es sich leisten, bei der Bewerberauswahl selektiv zu sein. Insbesondere bei beliebten Bachelor- oder Masterprogrammen liegt die Akzeptanzquote oft bei fünf Prozent oder niedriger. Nur wer intelligent und diszipliniert ist, hat eine Chancen auf einen Studienplatz. Das wissen auch die Unternehmen, die Absolventen von diesen Hochschulen rekrutieren. Insofern bieten Universitäten mit ausgezeichnetem Ruf den Unternehmen eine Art Vorselektion an: Sie können sich relativ sicher sein, dass deren Absolventen eine gewisse Mindestqualität mitbringen. Wenn du in einem solchen Studiengang eingeschrieben bist und nicht mehr allzu weit vom Abschluss entfernt bist, kann es erst recht Sinn ergeben, trotz fehlender Übereinstimmung mit dem späteren Berufswunsch das Studium zu beenden. Denn das Signal bleibt in der Regel auch dann wertvoll, wenn du dich in einer studienfernen Branche bewirbst. Das gilt insbesondere dann, wenn die Universität fachübergreifend einen bekannten Namen hat.

In unserem Newsletter zeigen wir dir unter anderem, welche Fehler Abiturienten typischerweise bei ihrer Entscheidung begehen, was du bei einer Zukunftsentscheidung im 21. Jahrhundert beachten solltest und wie du gute Ideen für deine Zukunft entwickeln kannst. 

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Referenzen und Erläuterungen

  1. Heublein, U., Ebert, J., Hutzsch, C., Sören, I., König, R. und A. Woisch (2017). Zwischen Studienerwartungen und Studienwirklichkeit: Ursachen des Studienabbruchs, beruflicher Verbleib der Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher und Entwicklung der Studienabbruchquote an deutschen Hochschulen. Forum Hochschule 1 (2017). S. 290. http://www.dzhw.eu/pdf/pub_fh/fh-201701.pdf (Besucht am 05.12.2019).
  1. Tinsely, H. (2000). The Congruence Myth: An Analysis of the Efficacy of the Person–Environment Fit Model. Journal of Vocational Behavior. Volume 56, Issue 2. 147 – 179. https://doi.org/10.1006/jvbe.1999.1727.
  1. Arnold, J. (2010). The congruence problem in John Holland’s theory of vocational decisions. Journal of Occupational and Organizational Psychology. 77. 95 – 113. 10.1348/096317904322915937.
  1. Tsabari, O., Tziner, A. and E. Meir. (2005). Updated Meta-Analysis on the Relationship Between Congruence and Satisfaction. Journal of Career Assessment. Volume 13, Issue 2. https://doi.org/10.1177/1069072704273165.
  1. Nye, C., Rounds, J., Su, R. and F. Drasgow (2012). Vocational Interests and Performance: A Quantitative Summary of Over 60 Years of Research. Perspectives on Psychological Science. 7(4). 384 – 403. 10.1177/1745691612449021.
  1. Csikszentmihalyi, M. (1990). Flow: The Psychology of Optimal Experience. New York: Harper and Row. ISBN 0-06-092043-2.