Die drei größten Studienirrtümer 2019

Die Mehrheit der Abiturienten beginnt früher oder später ein Studium. Doch nicht jeder trifft damit die richtige Entscheidung. Da sich niemand aufgrund falscher Vorstellungen für ein Studium entscheiden sollte, haben wir die größten Irrtümer zusammengetragen.

Irrtum 1: Ein Studium ist kostenlos!

Lange wurde die Abschaffung der Studiengebühren gefordert. Nachdem diese Forderung in allen Bundesländern umgesetzt wurde, ist ein Studium abgesehen vom zweistelligen Verwaltungskostenbeitrag nach konventioneller Meinung kostenlos. Die Realität sieht jedoch anders aus. Auch wenn du keine Studiengebühren mehr an deine Universität überweisen musst, laufen dennoch erhebliche Kosten für ein Studium auf.

Jedes Bachelorstudium kostet dich zunächst einmal einen fünf- bis sechsstelligen Betrag. Nun denkst du wahrscheinlich an Kosten für eine Wohnung oder ein WG-Zimmer am Studienort, Verpflegung, Freizeit und Studienmaterialen. Doch diese Kosten treten, sofern du nicht zu Hause bei deinen Eltern wohnen bleibst, auch bei jeder anderen Option auf (z. B. einer Ausbildung, einem direkten Arbeitsstart oder einer Unternehmensgründung).

Was sind also die wahren Kosten eines Bachelorstudiums? Es ist ebenso wenig der zweistellige Verwaltungskostenbeitrag, der jedes Semester fällig wird. Du musst dich stattdessen nur fragen, was deine nächstbeste Alternative in diesen drei Jahren gewesen wäre. Ökonomen nennen diese Kosten Opportunitätskosten. Sie entstehen dadurch, dass wir uns im Leben immer zwischen unterschiedlichen Optionen entscheiden müssen. Da niemand von uns Hermine Granger’s Zeitumkehrer besitzt, müssen wir Entweder-Oder-Entscheidungen treffen. Wer „Ja” zu Option A sagt, sagt gleichzeitig auch „Nein” zu Option B. Einfachheitshalber nehmen wir an, dass die nächstbeste Alternative für den durchschnittlichen Abiturienten der direkte Arbeitsbeginn ist. Zudem gehen wir davon aus, dass deine Eltern deine Lebenshaltungskosten übernehmen oder dass du sie durch einen Nebenjob selbst erwirtschaftest.

Die Opportunitätskosten errechnen sich dann aus der Differenz zwischen deinem Einkommen während dem Studium (794 € netto)1 und deinem möglichen Einkommen bei einem direkten Arbeitsstart (je nach Szenario zwischen 2.000 € und 3.500 € brutto).2 Die folgende Illustration zeigt dir deinen Verdienstausfall in Abhängigkeit von deinem monatlichen Bruttoverdienst:

Kosten eines dreijährigen Bachelorstudiums (eigenfinanziert)

Selbst wenn du während der drei Jahre „nur” 2.000 € brutto pro Monat verdienen würdest, summieren sich die Opportunitätskosten auf über 22.000 €. In Szenario 4 (monatlicher Bruttoverdienst = 3.500 €) hingegen würde dir mit knapp 51.000 € sogar ein deutlich höherer Betrag verloren gehen. Und falls du dein Studium (teilweise) durch einen Kredit finanzieren musst, liegen die Gesamtkosten noch deutlich darüber.

Die Details der Rechnungen (Bruttoverdienst, Zinssatz etc.) unterscheiden sich von Person zu Person.  Doch unabhängig von den genauen Werten wird deutlich, dass deine Zeit sehr wertvoll ist. Nicht jeder junge Mensch begreift wirklich den Wert seiner Zeit.

Dass nicht jeder versteht, welche Kosten mit einem Studium verbunden sind, zeigen die Beschwerden einiger Studienabbrecher. Zu der Zeit, als noch Studiengebühren bezahlt werden mussten, haben sie sich darüber aufgeregt, dass sie nun vier Semester studiert und somit 2.000 € Studiengebühren verschwendet haben.3 Doch was ist mit den 32.000 € Opportunitätskosten (Szenario II), die ebenfalls während diesen 24 Monaten entstanden sind und dem 16-fachen der Studiengebühren entsprechen? Dieser Verdienstausfall ist viel eher aufregenswert und doch wird er (unwissentlich) ignoriert.

Damit sich ein Bachelorstudium aus finanzieller Sicht lohnt, muss es zumindest den Einkommensausfall während dieser drei Jahre durch höhere Löhne in späteren Jahren kompensieren. Genau dies ist eben nicht bei jedem Studium der Fall.

Irrtum 2: Ein Studium lohnt sich immer!

leIm Folgenden betrachten wir ein Studium lediglich aus einer finanziellen Perspektive. Wir klammern andere Faktoren, wie etwa deinen Lustgewinn durch eine Beschäftigung mit interessanten Themen, explizit aus, da diese subjektiv und von Person zu Person unterschiedlich sind.

Akademiker haben ein geringeres Arbeitslosigkeitsrisiko: Nur 2,2 Prozent waren im April 2019 bei der Bundesagentur für Arbeit arbeitslos gemeldet.4 Ein IAB-Kurzbericht beziffert den Wert eines Studiums auf 1,25 Millionen Euro brutto im Vergleich zu einem ungelernten Hilfsarbeiter.5 Das ifo Institut zeigt in seiner Studie „Bildung hat Zukunft”, dass Personen mit einem Studienabschluss über ihr Erwerbsleben hinweg 387.000 Euro netto mehr verdienen als Personen mit einer abgeschlossenen Lehre.6

Die folgende Grafik stellt die durchschnittlichen monatlichen Nettolöhne verschiedener Berufs- bzw. Bildungsabschlüsse gegenüber:

Monatliches Nettoeinkommen nach Bildungs- bzw. Berufsabschluss

Datenquelle: Bildung hat Zukunft (2017). Bildungsstudie 2017. ifo Institut. https://www.ifo.de/DocDL/UI_ifo_Bildungsstudie_2017.pdf (Besucht am 05.07.2019).

Wenn man sich diese Statistiken anschaut, ist man geneigt, ein eindeutiges Fazit zu ziehen: Das höhere Lebenseinkommen von Akademikern ist auf deren Studium zurückzuführen. Das macht auch intuitiv Sinn: Schließlich eignet man sich zusätzliches Wissen an und baut ein Netzwerk unter Kommilitonen und Professoren auf.

Doch aus einer Korrelation („Das Lebenseinkommen steigt mit höherem Bildungs-/Berufsabschluss.“) ergibt sich nicht zwangsläufig Kausalität („Das höhere Lebenseinkommen ist auf den höheren Bildungs-/Berufsabschluss zurückzuführen.“).

Es gibt gute Gründe, warum der tatsächliche Effekt eines Studiums wahrscheinlich deutlich geringer ausfällt. Es besteht ein starker Zusammenhang zwischen Intelligenz und dem (späteren) beruflichen Erfolg. Intelligente Menschen steigen im Durchschnitt höher und schneller in Hierarchien auf, bekommen bessere Leistungsbeurteilungen und arbeiten effizienter. Je nachdem, wie der berufliche Erfolg definiert wird und welche Studie man betrachtet, kann Intelligenz zwischen 30 bis 70 Prozent der Variation in der beruflichen Leistung erklären. Dieser Zusammenhang gehört zu den am besten gesicherten Erkenntnissen der Sozialwissenschaften der letzten 30 Jahre.

Tatsächlich liegt der durchschnittliche IQ von Studenten mit 115 eine ganze Standardabweichung über dem der gesamten Bevölkerung.7 Zusätzlich ist der durchschnittliche Akademiker meist gewissenhafter als der Durchschnittsdeutsche. Das führt zu der Frage, welchen tatsächlichen Anteil die universitäre Ausbildung im Durchschnitt am späteren Erfolg hat. Viele Akademiker hätten sich wohl auch ohne ein klassisches Studium eine ebenso erfolgreiche Zukunft erarbeitet.

Dir Bildungsprämie lässt sich in die drei folgenden Effekte zerlegen: „Ability Bias“, „Signalling“ und „Humankapital“. Was heißt das genau?

  • Ability Bias. Universitäten filtern (beispielsweise mithilfe des Numerus Clausus und Eignungstests) intelligente und gewissenhafte Individuen heraus. Studien zufolge erklärt der IQ ca. 30 Prozent der Bildungsprämie, während die Arbeitseinstellung messende Faktoren wie etwa Gewissenhaftigkeit für weitere 15 Prozent verantwortlich sind. Knapp 50 Prozent der Bildungsprämie kann dem Studium also demnach nicht zugeschrieben werden.8 Auch wenn über die genauen Anteile kräftig gestritten wird, steht fest, dass der Ability Bias einen erheblichen Anteil der Bildungsprämie betrifft.
  • Signalling. Universitätsabschlüsse signalisieren Arbeitgebern, dass sich hier eine intelligente, hart arbeitende und regelkonform handelnde Person bewirbt.
  • Humankapital. Das Studium vermittelt relevantes Wissen und wichtige Fähigkeiten. Beides wird auf dem Arbeitsmarkt entsprechend entlohnt.

Datenquelle: Caplan, B. (2018). The Case against Education: Why the Education System Is a Waste of Time and Money. Princeton University Press. Bildung hat Zukunft (2017). Bildungsstudie 2017. ifo Institut. https://www.ifo.de/DocDL/UI_ifo_Bildungsstudie_2017.pdf (Besucht am 05.07.2019) / Eigene Berechnungen

Wenn man diesen Verteilung als Grundlage (nicht kausal: 45 Prozent, kausal: 55 Prozent) nimmt, verbleibt eine tatsächliche Bildungsprämie von „nur“ etwa 212.850 Euro (387.000 x 0,55 = 212.850). Diese 55 Prozent setzen sich dann anteilig aus Signalling und erworbenem Humankapital zusammen.

Ferner kann man sich die Unterschiede der Lebenseinkommen für verschiedene Studienfächer anschauen:

Differenz im Lebenseinkommen Zwischen verschiedenen Studienfächern und der durchschnittlichen Berufsausbildung (Annahme: KAUSAL bedingt sind 55 Prozent)

Datenquelle: Bildung hat Zukunft (2017). Bildungsstudie 2017. ifo Institut. https://www.ifo.de/DocDL/UI_ifo_Bildungsstudie_2017.pdf (Besucht am 05.07.2019) / Eigene Berechnungen.

Auf den ersten Blick wird deutlich, dass sich die Bildungsprämien zwischen den Studienfächern enorm unterscheiden. Während Absolventen des Fachs Sozialarbeit im Durchschnitt nur unwesentlich mehr als Personen mit einer abgeschlossenen Lehre über ihr Erwerbsleben hinweg verdienen, liegt die Differenz bei Absolventen der Human- und Zahnmedizin bei gut 600.000 (kausaler Effekt) bis fast 1.000.000 Euro (kausaler und nicht-kausaler Effekt zusammengefasst).

Jede dieser Bildungsprämien setzen sich anteilig aus Ability Bias, Signalling und Humankapital zusammen. Natürlich unterscheiden sich die genauen Anteile von Studienfach zu Studienfach, sodass auch unsere simple Beispielrechnung mit einem konstanten Kausalanteil von 55 Prozent die Realität verzerrt.

Insgesamt scheinen zwei Typen von Studienfächern hohe Bildungsprämien aufzuweisen:

  1. Studienfächer, die Kenntnisse vermitteln, welche (zumindest teilweise) im späteren Berufsalltag benötigt werden oder die aufgrund ihrer Komplexität signalisieren, dass die Absolventen intelligent und diszipliniert sind (z. B. Human- oder Zahnmedizin, Informatik oder Mathematik).
  2. Studienfächer, die man zwangsläufig erfolgreich abschließen muss, um in einem bestimmten Beruf tätig zu werden (z. B. Rechtswissenschaften, Human- und Zahnmedizin)

Abschließend möchten wir noch kurz auf eine wichtige methodische Schwäche hinweisen, die grundsätzlich bei der Berechnung von Lebenseinkommen auftritt: Lebenseinkommen werden basierend auf den Durchschnittseinkommen der gegenwärtigen Arbeitnehmerschaft jeden Alters berechnet. Es handelt sich also um ein synthetisches Lebenseinkommen basierend auf den derzeitigen Löhnen, die am Arbeitsmarkt erzielt werden.

Wenn du deine Studienwahl/Zukunftsentscheidung nun u. a. am Lebenseinkommen ausrichtest, nimmst du implizit an, dass das gegenwärtige Gesamteinkommen eine (halbwegs) akkurate Schätzung der zukünftigen Löhne über die nächsten 40 Jahre ist. Doch da sich unsere Arbeitswelt schneller ändert als jemals zuvor (z. B. durch die Automatisierung bestimmter Tätigkeiten), ist diese Annahme mitunter schwer zu rechtfertigen.

Deshalb halten wir das Lebenseinkommen grundsätzlich für eine eher ungeeignete Kennziffer bei der Entscheidungsfindung.

Irrtum 3: MINT-Studium = Beschäftigungsgarantie!

MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Dementsprechend lang ist die Liste aller MINT-Studienfächer: Insgesamt 90 Studienrichtungen lassen sich dem Kürzel zurechnen, mehr als 1.080.000 Studenten sind in einem der zahlreichen Studiengänge eingeschrieben.9

Im Jahr 2008 beschloss die Kultusministerkonferenz, mehr Schüler für diese Fächer begeistern zu wollen. Initiativen wie „MINT Zukunft schaffen“ wurden gegründet. Und es scheint, als seien die Werbemaßnahmen erfolgreich gewesen: Die Anzahl der Studenten in MINT-Studienfächern stieg seit dem Wintersemester 2008/09 um 53,8 Prozent, während die Gesamtzahl der Studenten im gleichen Zeitraum „nur“ um 40,5 Prozent wuchs.10

Doch unserer Meinung nach ist dieses Werben für MINT-Fächer nicht immer hilfreich, sondern kann Abiturienten und Studieninteressierten die Studien- und Karrierewahl aus den folgenden drei Gründen erschweren:

#1 Hinter dem Label MINT versteckt sich eine riesige Gruppe an Studienfächern: Zu den 90 Fächern zählen neben Mathematik, Informatik und Maschinenbau auch Studienrichtungen wie Chemie, Biologie, Nautik oder Medientechnik.

Wer einfach nur von MINT spricht, bezieht sich erst einmal auf alle darunter fallenden Studienrichtungen. Genau hier liegt das Problem: Diese Fachrichtungen unterscheiden sich nicht nur inhaltlich, sondern auch in Bezug auf ihre Arbeitsmarktaussichten: Wenn momentan Bauingenieure und keine keine Biologen gesucht werden, insgesamt jedoch von einem „MINT-Mangel“ gesprochen wird, dann verschleiert das Label MINT diese Unterschiede.

90 Studienfächer Zählen insgesamt zu MINT

#2 MINT-Initiativen wurden als Reaktion auf den Fachkräftemangel ins Leben gerufen und berichten nicht immer objektiv. Initiativen wie „MINT Zukunft schaffen“ wurden 2008 als Reaktion auf den oft kommunizierten Fachkräftemangel geschaffen. Ihr Ziel: Mehr junge Menschen sollen für eine Karriere in naturwissenschaftlich-technischen Bereichen gewonnen werden.

Doch existiert ein flächendeckender Fachkräftemangel? In der diesjährigen Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit heißt es, dass man bei den derzeitigen Daten nicht von einem bundesweiten Fachkräftemangel sprechen könne.

Falls ein Mangel in einem bestimmt Bereich besteht, müssten dort die Löhne steigen. Doch viele Absolventen können sich im Durchschnitt mit ihrem Einstiegsgehalt heute weniger leisten als frühere Berufseinsteiger. Ein durchschnittlicher Jung-Maschinenbauer etwa erzielt nur noch 89 Prozent der Kaufkraft eines Absolventen aus dem Jahr 2004.11

Gleichzeitig heißt es im MINT-Herbstreport 2018 des IW Köln, dass den Unternehmen im Oktober 2018 337.900 MINT-Arbeitskräfte fehlen. Davon entfällt ungefähr ein Drittel (106.000) auf Expertenberufe, also auf ausgeschriebene Stellen, für die man ein abgeschlossenes Studium benötigt.12 Warum liegen diese Analysen so weit auseinander?

Erst einmal nutzt die Arbeitsagentur nicht nur einen Faktor (das Verhältnis von offenen Stellen zu Arbeitslosen), sondern drei Faktoren (nämlich zusätzlich die Vakanzzeiten („Wie lange braucht ein Unternehmen im Mittel, um eine vakante Position zu besetzen?“) sowie die berufsspezifische Arbeitslosenquote), um einen Engpass zu identifizieren. Zudem hält sich die Arbeitsagentur an die tatsächliche Zahl der gemeldeten offenen Stellen. Im MINT-Herbstreport werden die offenen Stellen für Akademiker hingegen mit dem Verweis auf Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit dem Faktor fünf multipliziert. Das IAB hatte herausgefunden, dass für MINT-Expertenberufe nur jede fünfte Stelle bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet wird.13

Doch bei dieser Berechnung werden gegenteilige Effekte ignoriert: Beispielsweise steht nicht jede offene Stelle für einen zusätzlichen Arbeitsplatz. Tatsächlich entstehen offene Stellen oft durch eine Art Arbeitnehmerkarussell, in dem Arbeitnehmer mit ähnlichem Qualifikationsprofil den Arbeitgeber wechseln. Ein einfaches Beispiel: Wenn Arbeitnehmer 1 zu Unternehmen B wechselt und bei seinem alten Unternehmen A dadurch eine offene Stelle schafft, die wiederrum durch Arbeitnehmer 2 von Unternehmen B besetzt wird, so wurde eine Stelle ausgeschrieben, ohne dass ein zusätzlicher Arbeitsplatz geschaffen wurde.

Zusätzlich werden Stellen oft turnusmäßig oder aufgrund von Compliance-Vorschriften ausgeschrieben, obwohl sie entweder gar nicht zu besetzen sind oder längst (intern) besetzt wurden.

Diese beiden Effekte betreffen in jedem Fall einen signifikanten Anteil der offenen Stellen, sodass man davon ausgehen darf, dass die vom IW Köln genutzte Schätzformel (bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldete offene Stellen x 5) die tatsächlich zu besetzenden Stellen weit überschätzt.

Zudem unterschätzt die vom IW Köln verwendete offizielle Zahl der arbeitslosen Akademiker deren tatsächliche Anzahl, da sich insbesondere gut ausgebildete Personen lieber selbst auf Arbeitssuche begeben, anstatt sich von der Arbeitsagentur auf Stellen vermitteln zu lassen, für die sie überqualifiziert sind.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der MINT-Herbstreport 2018 einige Register zieht, um die „MINT-Fachkräftelücke“ möglichst groß erscheinen zu lassen.

#3 Unter den MINT-Studiengängen befinden sich einige Fachrichtungen mit derzeit mäßigen bis schlechten Berufsaussichten.

Abschließend möchten wir anhand zweier Beispiele zeigen, dass längst nicht jedes MINT-Fach hervorragende Arbeitsmarktaussichten bieten muss.

Beispielsweise hat die Gruppe der Chemiker, Physiker und Biologen eine Arbeitslosenquote von 9,5 Prozent. Damit liegt sie fast dreimal höher als die Quote (3,4 Prozent) aller Personen mit einem abgeschlossenen Studium. 55 Prozent dieser Arbeitslosen sind zwischen 25 und 35 Jahre alt.14

Auch ein Doktortitel in einem naturwissenschaftlichen Fach garantiert einem nicht zwangsläufig den (Wunsch-)Arbeitsplatz: Jeder dritte promovierte Chemiker sucht entweder eine Stelle (11 Prozent) oder hat einen befristeten Arbeitsplatz als Postdoc (19 Prozent).15

Fazit:

Vertraue nicht blind fremden Analysen und mache dir immer selbst ein Bild von den Risiken und Chancen deiner favorisierten Optionen!

In unserem Newsletter zeigen wir dir unter anderem, welche Fehler Abiturienten typischerweise bei ihrer Entscheidung begehen, was du bei einer Zukunftsentscheidung im 21. Jahrhundert beachten solltest und wie du gute Ideen für deine Zukunft entwickeln kannst. 

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Referenzen und Erläuterungen

  1. 794 Euro sind die monatlichen Durchschnittskosten eines Studenten in Deutschland.
  1. Da deine persönlichen Opportunitätskosten von den dargestellten Szenarien abweichen können, bieten wir dir im Kurs einen Kostenrechner an, der die Berechnung basierend auf deinen eigenen Angaben durchführt.
  1. Viele Studienabbrecher, die auf uns zugekommen sind, haben sich tatsächlich nur über die sichtbaren Kosten aufgeregt. Dass jenseits der Studiengebühren und Mietkosten (die wiederum womöglich ohnehin angefallen wären) die Opportunitätskosten den weitaus größten Anteil der Gesamtkosten ausmachen, fiel jedoch keinem auf.
  1. Akademikerinnen und Akademiker (2019). Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt. Bundesagentur für Arbeit. https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Berufe/generische-Publikationen/Broschuere-Akademiker.pdf (Besucht am 05.07.2019).
  1. Schmillen, A. und H. Stüber (2014). Bildung lohnt sich ein Leben lang. IAB-Kurzbericht. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. http://doku.iab.de/kurzber/2014/kb0114.pdf (Besucht am 05.07.2019.
  1. Bildung hat Zukunft (2017). Bildungsstudie 2017. ifo Institut. https://www.ifo.de/DocDL/UI_ifo_Bildungsstudie_2017.pdf (Besucht am 05.07.2019).
  1. Average IQ of University Students (2014, Juli 4). IQ-Brain.com. https://www.iq-brain.com/average-iq-university-students/ (Besucht am 05.07.2019).
  1. Caplan, B. (2018). The Case against Education: Why the Education System Is a Waste of Time and Money. Princeton University Press.
  1. Studierende: Deutschland, Semester, Nationalität, Geschlecht, Studienfach (2019). Destatis Statisches Bundesamt. https://www-genesis.destatis.de/genesis/online/logon?language=de&sequenz=tabellen&selectionname=213* (Besucht am 05.07.2019).
  1. Ibid.
  1. Einstiegsgehälter für Absolventen (2004). IG Metall. https://dialog.igmetall.de/uploads/media/Einstgehalt_Absolventen.pdf (Besucht am 05.07.2019). Ingenieur/-in Gehalt bundesweit. Gehaltsvergleich.com. https://www.gehaltsvergleich.com/gehalt/search?jobname=Ingenieur%2F-in&location=&radius=15&suchen=Berechnen (Besucht am 05.07.2019). Gehalt für Maschinenbauingenieure. Alphajump. https://www.alphajump.de/karriereguide/gehalt/gehalt-maschinenbauingenieur (Besucht am 05.07.2019).
  1. MINT-Herbstreport 2018. Institut der deutschen Wirtschaft Köln. S. 57f. https://www.arbeitgeber.de/www/arbeitgeber.nsf/res/Mint-Herbstreport%202018.pdf/$file/Mint-Herbstreport%202018.pdf (Besucht am 05.07.2019).
  1. MINT-Herbstreport 2018. Institut der deutschen Wirtschaft Köln. S. 53. https://www.arbeitgeber.de/www/arbeitgeber.nsf/res/Mint-Herbstreport%202018.pdf/$file/Mint-Herbstreport%202018.pdf (Besucht am 05.07.2019).
  1. Berufe im Spiegel der Statistik. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. http://bisds.iab.de/Default.aspx?beruf=BHG41&region=1&qualifikation=8 (Besucht am 05.07.2019).
  1. Statistik der Chemiestudiengänge 2018. Gesellschaft Deutscher Chemiker. S. 9. https://www.gdch.de/fileadmin/downloads/Ausbildung_und_Karriere/Karriere/Statistik/Broschuere_web/2018_Statistik_web.pdf (Besucht am 05.07.2019).