Der ultimative Guide:
Solltest du BWL studieren?

Knapp 9 Prozent aller Studenten (240.000 Personen) studieren Betriebswirtschaftslehre. Doch was spricht für und gegen Deutschlands beliebtestes Studium? Wir schauen auf die Vor- und Nachteile des Studiums, den heutigen und zukünftigen Arbeitsmarkt für Betriebswirte und verschiedene Alternativen zum BWL-Studium.

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Worum geht es?

Betriebswirte entwerfen Marketingstrategien für Nike, Apple und BMW, analysieren Unternehmenskennzahlen und machen Unternehmen profitabel. Sie stellen neue Mitarbeiter ein, optimieren Bestellprozesse und vertreiben Produkte und Dienstleistungen. Sie übernehmen die Buchhaltung, beraten Manager in allen Branchen und organisieren die Logistik. Und sie verbringen oft viel Zeit mit Microsoft Excel und PowerPoint. 

Anders als bei einem Medizin- oder Jurastudium bereitest du dich nicht auf einen (mehrere) bestimmte(n) Beruf(e) vor, sondern bleibst relativ flexibel. Du konzentrierst dich nicht auf einen bestimmten Bereich und erarbeitest dir dort spezifische Kenntnisse, sondern erhältst einen Überblick über die verschiedenen Abläufe und Funktionen in einem Unternehmen. 

Im Zentrum des Studiums steht das einzelne Unternehmen: Aus welchen Funktionen setzt es sich zusammen? Was sind die zentralen Modelle in der Unternehmensführung und im Marketing? Wie funktioniert die doppelte Buchführung? Diese und weitere Fragen werden im Bachelorstudium geklärt. Der Praxisbezug des Studiums ist meistens eher gering: Wenn du in deinem späteren Job 20 Prozent deines Wissens anwenden kannst, ist das bereits mehr als üblich. 

TEIL 1: Pro und Kontra

1. Es gibt immer mehr Betriebswirte!

Wahrscheinlich weißt du bereits, dass sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr Abiturienten für ein Studium entscheiden. 1960 haben gerade einmal 6% eines Geburtsjahrgangs ein Studium begonnen, 2017 waren es hingegen 56%. Die folgende Graphik zeigt dir drei Zeitreihen: Die Anzahl der BWL- und Jurastudenten sowie die aller Studenten. Seit 1975 hat sich die Zahl der Studenten insgesamt mehr als verdreifacht und die der Jurastudenten verdoppelt.

Wie du am Verlauf der roten Linie erkennen kannst, ist die Anzahl der BWL-Studenten im selben Zeitraum um fast 700% gestiegen. Allein seit 2007 hat sie sich noch einmal um knapp 60% erhöht. Zwischen 1975 und 2016 ist die Anzahl der BWL-Studenten also mehr als doppelt stark gewachsen wie die aller Studenten. Auch wenn Betriebswirte in vielen Bereichen tätig sind, scheint es zumindest fragwürdig zu sein, ob sich die Nachfrage auf Unternehmensseite ebenso steil nach oben entwickelt hat.

Prozentuale Entwicklung der Studentenzahlen in Deutschland zwischen 1975 und 20161

Um das Wachstum der Studentenzahlen besser einordnen zu können, haben wir die Differenz zwischen den jährlichen BWL-Absolventen und den in Rente gehenden Betriebswirten gebildet und uns angeschaut, wie stark der Arbeitsmarkt pro Jahr wachsen müsste, um all diese „zusätzlichen” Absolventen aufzunehmen.

Die durchschnittliche Lebensarbeitszeit beträgt ungefähr 40 Jahre. Deshalb haben wir die Differenz der Absolventenzahlen von 2020 (geschätzt auf Basis der Zahlen von 2016) und 1980 (ungefähre Anzahl der Personen, die 2020 in Rente gehen werden) betrachtet und sie als Schätzung für den Netto-Zuwachs an frischen Betriebswirten verwendet. Die Gesamtheit der Betriebswirte haben wir mithilfe der Summe aller BWL-Absolventen von 1980 bis 2020 berechnet.

Die in der Graphik abgebildete Wachstumsrate entspricht dem jährlichen Wachstum, das nötig wäre, damit alle BWL-Absolventen einen Arbeitsplatz in ihrem Studienbereich finden.

WIE STARK MÜSSTE DER ARBEITSMARKT FÜR BETRIEBSWIRTE pro Jahr WACHSEN, DAMIT alle Absolventen einen Job in diesem Bereich finden?2

WIE STARK MÜSSTE DER ARBEITSMARKT FÜR BETRIEBSWIRTE WACHSEN, DAMIT alle Absolventen einen Job in diesem Bereich finden?2

Der Arbeitsmarkt für Betriebswirte müsste jährlich um 5% wachsen, damit jeder Absolvent tatsächlich einen passenden Job findet. Das durchschnittliche Wachstum des Bruttoinlandsprodukts der letzten 10 Jahre liegt hingegen bei circa 1,27%. Warum sollte der Arbeitsmarkt für Betriebswirte dreimal stärker wachsen als die Wirtschaft insgesamt?

2. Hohes oder niedriges Einstiegsgehalt?

Was kannst du als BWL-Absolvent verdienen? Die meisten Artikel, die sich mit dieser Frage beschäftigen, verweisen auf das durchschnittliche Einstiegsgehalt. Doch das durchschnittliche Gehalt sagt nichts über die Einkommensverteilung aus: Verdienen alle Absolventen ungefähr dasselbe oder setzt sich der Durchschnitt aus extrem unterschiedlichen Gehältern zusammen?

Der durchschnittliche Betriebswirt steigt mit 43.947 Euro ins Berufsleben ein. 50 Prozent der Absolventen verdienen zwischen 35.367 und 47.354 Euro. Die restlichen 50 Prozent liegen jedoch außerhalb dieser Grenzen: Die besten Absolventen erzielen Gehälter von 80.000 Euro und mehr (z. B. im Investment Banking oder bei Top-Unternehmensberatungen), während es auf der anderen Seite viele Einsteiger gibt, die nur 20.000 bis 25.000 Euro verdienen.

Mindestens genauso interessant ist die Gehaltsentwicklung über die letzten Jahrzehnte: Verdient ein Betriebswirt heute mehr oder weniger als im Jahr 2004? Sie gibt durchaus Aufschluss darüber, wie sich Angebot (Anzahl der BWL-Absolventen) und Nachfrage (Unternehmen, die BWL-Absolventen suchen) entwickelt haben. Die Graphik vergleicht die tatsächlichen Löhne im Jahr 2017 mit dem hypothetischen Lohn, der dir heute dieselbe Kaufkraft wie im Jahe 2004 bieten würde. Auffällig ist, dass sich BWL-Absolventen heute fast 17 Prozent weniger leisten können, während sich der durchschnittliche Arbeitnehmer in Deutschland zumindest über einen minimalen Kaufkraftzuwachs freuen kann (2004 bis 2017: plus 7%). Das ist neben dem hohen impliziten Wachstum von 5% ein weiterer Hinweis dafür, dass es einen Überschuss an Betriebswirten auf dem Arbeitsmarkt gibt.

Natürlich unterscheiden sich die Einstiegsgehälter auch nach Funktion und Tätigkeit. Bei manchen Tätigkeiten liegen sie über dem Gesamt-Durchschnitt, bei anderen darunter. In diesen Bereichen gibt es häufig ein Überangebot an Interessenten, sodass die Unternehmen relativ niedrige Löhne zahlen können und dennoch qualifizierte Mitarbeiter finden. Dazu zählen beispielsweise Jobs im Marketing, wo das Einstiegsgehalt knapp 20% unter dem Durchschnitt aller Absolventen liegt. Dort gibt es sehr viele Bewerber mit ähnlichen Qualifikationen, sodass man es ohne vorherige Arbeitserfahrung sehr schwer hat, sich von seinen Mitbewerbern abzuheben. Einige dieser Einstiegsjobs zahlen nicht mehr als 25.000 Euro brutto. Dieses Gehalt hätte man auch direkt nach dem Abitur erzielen können.

Die Einstiegsgehälter aufgeteilt nach verschiedenen Unternehmensfunktionen4

Schließlich wollen wir noch einen Blick auf die zwei Professionen werfen, die zu den Berufswünschen vieler angehender Betriebswirte zählen: Investment Banking und die Arbeit bei Top-Unternehmensberatungen. Diese zwei Bereiche befinden sich beide am oberen Ende des Konkurrenzspektrums: Nur ca. 1 bis 3% der Bewerber bekommen tatsächlich einen Job. Auf jeden erfolgreichen Bewerber kommen also 40 bis 100 erfolglose Interessenten.

Hauptgrund für eine Karriere in diesen Bereichen ist für viele Studenten die steile Lernkurve sowie das hohe Einkommen. Bei beiden Tätigkeiten lernst du eine Menge, wenngleich die Lernkurve im Investment Banking in der Regel etwas schneller abflacht als im Consulting. Das liegt unter anderem daran, dass deine Arbeit als Investmentbanker stärker auf festgelegten Prozessen basiert. Als Investmentbanker kannst du inklusive Boni zwischen 104.000 und 128.000 Euro im ersten Berufsjahr verdienen, während Unternehmensberater bei McKinsey und Co. inklusive Boni ein Gehalt zwischen 90.000 und 110.000 Euro erzielen. Natürlich stehen auf der anderen Seite der Gleichung lange Arbeitszeiten: In beiden Fällen sind 80-Stunden-Wochen keine Ausnahmen, wobei du im Investment Banking oft noch einmal 10 bis 20 Stunden länger arbeiten musst.  

3. Bist du flexibel oder orientierungslos?

Der größte Pluspunkt des BWL-Studiums ist seine Flexibilität. Betriebswirte arbeiten in allen Branchen und Unternehmensfunktionen. Du kannst etwa in der Automobilindustrie Prozesse organisieren, in der Marketingabteilung eines Technologie-Unternehmens arbeiten oder in einer Unternehmensberatung Marktrecherche betreiben.

Auch wenn du dich im Studium für einen Schwerpunkt entscheiden musst (z. B. Finance oder Marketing), schließt du den Bachelor nicht als Spezialist, sondern als Generalist ab. Am Ende deines Studiums hast du dir nicht mehr und nicht weniger als einen Überblick über die verschiedenen Unternehmensfunktionen erarbeitet.

Ein paar Beispiele für deinen späteren Beruf als Betriebswirt

Viele Abiturienten entscheiden sich für das BWL-Studium nach dem Ausschlussprinzip: Sie wissen, was sie alles nicht machen möchten. Von den verbleibenden Studiengängen wählen sie dann denjenigen aus, der sie am wenigsten einschränkt und ihnen gleichzeitig relativ gute Karriereaussichten bietet. Oft steht am Ende dieser Überlegungen die Entscheidung für ein BWL-Studium.

Doch nicht jeder Absolvent profitiert von der Flexibilität des Studiums. Es gibt einen Unterschied zwischen Flexibilität und Orientierungslosigkeit: Jemand, der flexibel ist, hat viele gute Optionen und hält gleichzeitig Ausschau nach neuen Möglichkeiten. Jemand, der orientierungslos ist, weiß noch nicht einmal, wie er herausfinden kann, was er machen möchte.

Unserer Erfahrung nach sind überproportional viele BWL-Studenten orientierungslos. Da man oft hört, dass man mit BWL „später alles machen kann”, entscheiden sich viele Abiturienten für diese Option, die keinerlei Ahnung haben, was sie später machen möchten. Orientierungslosigkeit erhöht das Risiko für einen Studienabbruch und Unzufriedenheit.

4. Du musst keine besonderen Voraussetzungen erfüllen

Das BWL-Studium liegt auch deshalb unangefochten auf dem ersten Platz aller Studiengänge, weil du dafür keine bestimmten Stärken mitbringen oder andere Voraussetzungen erfüllen musst.

Einige Websites vermitteln jedoch fälschlicherweise einen anderen Eindruck. Sie behaupten beispielsweise, dass man als Betriebswirt mathematisch begabt sein sollte. Um erfolgreich BWL zu studieren, musst du allerdings kein Mathegenie sein. In der Regel gibt es nicht mehr als jeweils einen Einführungskurs in Statistik und Mathematik. Viel wichtiger ist es, dass du kein Problem damit hast, täglich eine Menge Informationen auswendig zu lernen. Denn der Großteil der Fächer (z. B. Produktion und Organisation) verlangt, dass du Modelle und Strukturen memorierst und diese in der Prüfung wiedergeben kannst. Für Schwerpunkte wie Buchhaltung oder Finance solltest du natürlich Zahlen mögen, aber auch dort brauchst du nicht annähernd dieselbe Begabung wie jemand, der beispielsweise Mathematik studieren möchte.

Die Top-Universitäten setzen oft einen guten Abiturschnitt oder eine Kombination von unterschiedlichen Anforderungen voraus, während andere zulassungsfrei sind. Ein wichtiger Orientierungspunkt ist zudem der Intelligenzquotient (IQ). Er erlaubt dir eine objektive Einschätzung. Der Durchschnittsdeutsche hat einen IQ von ca. 100. Unter BWL-Studenten liegt der durchschnittliche IQ bei 111. Damit gehört der durchschnittliche BWL-Absolvent zum intelligentesten Viertel der Bevölkerung (Top 25%). Im Vergleich zu anderen Studiengängen wie Rechtswissenschaften, Informatik oder Medizin, in denen der IQ des durchschnittlichen Studenten bei über 120 liegt, sind die Minimalanforderungen an deine „Hardware” aber noch überschaubar. Dennoch bedingt Intelligenz unter anderem deine Lerngeschwindigkeit. Deshalb schadet es nicht, wenn dein IQ deutlich über dem Durchschnitt liegt.

5. Viele überlaufene Bereiche

Wie wir bereits gesehen haben, bieten nicht alle Schwerpunkte gleich gute Karriereaussichten. Das liegt oft daran, dass einige deutlich beliebter sind als andere. In Bereichen wie Marketing, Personal, Management oder Organisation gibt es mehr Interessenten als Arbeitsplätze. Ein Grund dafür ist, dass sie alle keine quantitativen Fähigkeiten verlangen. 

Als frischer Uni-Absolvent, der in einem dieser Bereiche seine Karriere starten möchte, siehst du dich mit mehreren Problemen konfrontiert: Zunächst ist es aufgrund der starken Konkurrenz schwierig, überhaupt einen Job zu finden. Ein Großteil der Interessierten hangelt sich von Praktikum zu Praktikum. Die Unternehmen müssen keine hohen Gehälter zahlen, da sie ohnehin mehr qualifizierte Bewerber als offene Stellen haben. Schließlich kannst du vom Unternehmen leicht ersetzt werden, da es jederzeit 10 Personen gibt, die genauso gut für die Position geeignet sind. Deshalb musst du in diesen Bereichen damit rechnen, dass du wahrscheinlich nur ein relativ geringeres Gehalt erzielst. Um dich von der Masse abzusetzen, ist es besonders wichtig, dass du zu den besten Absolventen gehörst und mehr Praxiserfahrung als deine Konkurrenten sammelst.  

TEIL 2: Der Arbeitsmarkt für Betriebswirte – Heute und in Zukunft

1. Welche Tätigkeiten werden automatisiert?

Betriebswirte sind von der Automatisierung nicht ausgenommen. Sie sind in derselben Situation wie jeder andere Arbeitnehmer. Auch ihre Berufe setzen sich aus verschiedenen Tätigkeiten zusammen, von denen einige automatisiert werden können und andere nicht. Je mehr Tätigkeiten eines Berufes gefährdet sind, desto größer ist das Automatisierungsrisiko. Die folgende Graphik gibt dir einen Überblick über das Automatisierungspotenzial verschiedener beliebter Berufe im BWL-Kosmos.

Typische BWL-Berufe und ihr Automatisierungsrisiko

Gefährdet sind vor allem Berufe, die Unternehmensdaten analysieren und gleichzeitig einen hohen Anteil an Standardaufgaben haben. Dazu zählen etwa Steuerberater, Controller, Wirtschaftsprüfer und Finanzanalysten. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC, die in Deutschland 10.600 Personen beschäftigt, schätzt, dass bereits in fünf Jahren 50% der traditionellen Tätigkeiten in ihrem Unternehmen (dazu zählt u. a. die Wirtschafts- und Steuerprüfung) nicht mehr von Menschen ausgeführt werden. Bei kleinen und mittleren Unternehmen wird dieser Wandel vermutlich etwas länger dauern, aber auch sie sind zur Automatisierung gezwungen, wenn sie wettbewerbsfähige Preise anbieten wollen. Denn die Löhne machen in dieser Branche nun einmal den Großteil ihrer Kosten aus.

In gefährdeten Bereichen wird sich die Konkurrenz um die verbleibenden Arbeitsplätze verstärken. Davon ausgenommen sind vermutlich nur die besten 5 bis 10 Prozent ihres Fachgebiets, die weiterhin gute Gehälter beziehen werden, da sie komplexe Aufgaben lösen, mit denen Algorithmen nach wie vor Probleme haben. Einen detaillierten Post über Künstliche Intelligenz und Automatisierungsrisiken findest du hier.

2. Vier Strategien, mit denen du auch in Zukunft als Betriebswirt gefragt bist

In anderen Studiengängen wie Medizin oder Informatik kann man einige Bereiche ausmachen, die in Zukunft wachsen werden. Sie entwickeln sich oft infolge von technischen Durchbrüchen. Das Humangenomprojekt und die erfolgreiche Entschlüsselung des menschlichen Genoms hat etwa dem gesamten Gebiet der Genetik einen riesigen Schub gegeben. 

Bei der Betriebswirtschaftslehre ist das anders. Betriebswirte sind heute in denselben Unternehmensfunktionen tätig wie im Jahr 1970: Neben Marketing, Vertrieb, Finanzen, Rechnungslegung und Personalmanagement haben sich nicht auf einmal zehn neue Funktionen gefunden. Unternehmen versuchen nach wie vor, ihre Produkte oder Dienstleistungen zu verkaufen und einen Gewinn zu erwirtschaften.

Das heißt nicht, dass sich die Tätigkeiten innerhalb der Funktionen nicht geändert haben. Print-Marketing ist heute beispielsweise stark rückläufig, während Social-Media-Marketing noch immer ein recht neues Phänomen ist. Es bedeutet auch nicht, dass sich die Berufsbilder nicht ändern oder teilweise ganz verschwinden. All diese Veränderungen werden aber meistens durch (technische) Entwicklungen in anderen Bereichen ausgelöst. Was sind also einige Strategien, die du anwenden kannst, um als Betriebswirt auch in Zukunft gefragt zu sein?

1. Beende dein Studium unter den besten 5 bis 10 Prozent!

Dieser Tipp ist besonders wichtig, falls du dich für einen Weg mit starker Konkurrenz entscheidest. Dabei ist es egal, ob du eine Karriere in einer überlaufenen Branche wie Marketing starten möchtest oder einen Pfad wie Consulting anstrebst, der klassischerweise extrem kompetitiv ist.

Deine Abschlussnote und deine Position relativ zu anderen Absolventen sendet ein Signal an potenzielle Arbeitgeber. Wenn du in einem Pool von intelligenten Personen zu den besten zählst, wirst du vermutlich auch für das Unternehmen bessere Arbeit leisten als ein durchschnittlicher Absolvent.

2. Nutze Praktika, um Erfahrungen aufzubauen und ein Profil zu entwickeln!

Vorhin haben wir bereits dargestellt, dass einige BWL-Studenten Flexibilität mit Orientierungslosigkeit verwechseln. Studenten, die orientierungslos sind, sehen Praktika vor allem als kleine Arbeitstests, die ihnen dabei helfen festzustellen, ob möglicherweise Beruf A, B oder C eine gute Wahl sein könnte.

Doch wenn man am Ende seines Studiums drei bis fünf Praktika absolviert hat, die keinerlei Strategie erkennen lassen, ist das für jeden Arbeitgeber ein schlechtes Zeichen. Wenn du nur in verschiedene Beruf hineinschnuppern willst, ist ein Praktikum ohnehin nicht das klügste Zeit-Investment: Du weißt spätestens nach einer Woche im Büro, ob dir die Tätigkeit gefällt oder nicht. Je nachdem verbringst du dann die restlichen zwei Monate gelangweilt und sitzt deine Zeit ab, oder du hattest Glück und baust dir erste Kenntnisse in einem Bereich auf, der dich tatsächlich interessiert. Wenn du „nur” herausfinden möchtest, ob ein Beruf zu dir passt, kannst du stattdessen jemanden für ein paar Tage in seinem Beruf begleiten und mit Berufseinsteigern sprechen, die gerade ihre ersten Erfahrungen sammeln.

Eine clevere Kombination von Praktika macht häufig den Unterschied zwischen einer erfolgreichen und erfolglosen Bewerbung. Hier sind ein paar Aspekte, auf die du achten solltest:

  • Ist die Reihenfolge der Praktika sinnvoll? Bauen sie aufeinander auf?
  • Kannst du deine Praktikaauswahl erklären?
  • Welche relevanten Fähigkeiten hast du dir angeeignet?

3. Sammle zusätzliche Kenntnisse in einer Branche, die in Zukunft wachsen wird!

In einer wachsenden Branche steigen die Umsätze, Unternehmen stellen mehr und mehr Mitarbeiter ein und du wirst in der Regel schneller befördert. Schrumpfende Industrien sind genau gegenteilig charakterisiert: Kunden wechseln zu anderen Produkten, die Umsätze fallen und die Unternehmen müssen Mitarbeiter entlassen, um auch im schrumpfenden Markt profitabel zu bleiben.

Wenn du dich zum Beispiel für Künstliche Intelligenz interessierst und nach dem Studium in dieser Branche einsteigen möchtest, solltest du dir in diesem Bereich einige relevante Fachkenntnisse aneignen. Wenn du die grundlegenden Konzepte verstehst und selbst ein simples neuronales Netz entwerfen kannst, bekommst du eher ein Jobangebot als der durchschnittliche Betriebswirt, der überhaupt keine Ahnung von der technischen Seite hat.

Dasselbe gilt für alle anderen wachsenden Branchen: Eigne dir spezifische Kenntnisse an, die 95% der anderen Betriebswirte nicht mitbringen. Damit setzt du dich von der Konkurrenz ab und kannst beispielsweise an der Schnittstelle zwischen Produktentwicklung und Vertrieb zu arbeiten. 

4. Baue ein Netzwerk auf!

Ja, deine Abschlussnote ist wichtig. Sie positioniert dich relativ zu deinen Kommilitonen. Doch wie jedes andere Studium setzt sich auch das BWL-Studium aus drei Komponenten zusammen: Dem Abschlusszeugnis, dem Netzwerk und dem erworbenen Wissen. Vor allem ehrgeizige Studenten konzentrieren sich häufig ausschließlich auf ihre Abschlussnote. Dabei ist das Netzwerk oft der wertvollste und gleichzeitig am meisten unterschätzte Bestandteil deines BWL-Studiums. 

Einige besonders strebsame Absolventen ärgern sich dann, wenn in der Realität viele Positionen durch „Vitamin B“ besetzt oder gar nicht öffentlich ausgeschrieben werden. Dabei vergessen sie jedoch, dass sie es während ihres Studiums versäumt haben, Kontakte zu Kommilitonen, Unternehmen und Professoren zu knüpfen.

Ein gutes Netzwerk gibt dir Zugang zu Jobmöglichkeiten, Investitionen und Kapitalspritzen, erhöht die Wahrscheinlichkeit für Beförderungen und ist ein wirksamer Schutz gegen einen wirtschaftlichen Abstieg.

Dazu kannst du Kommilitonen suchen, die außergewöhnliche Leistungen erbringen. Top-Performer sind nicht unbedingt diejenigen, die die besten Klausuren schreiben. Oft haben sie neben dem Studium einen zusätzlichen Fokus: Der eine startet sein eigenes Unternehmen, der andere arbeitet bereits nebenher in dem Bereich, auf den er sich später konzentrieren möchte.

Einige von diesen Personen werden später sehr erfolgreiche Karriere haben. Wenn sie Teil deines Netzwerks sind, wirst du Zugang zu mehr und besseren Möglichkeiten haben.

TEIL 3: Alternativen zum BWL-Studium

240.000 Personen sind deutschlandweit als BWL-Student immatrikuliert. „Irgendetwas mit Wirtschaft” studieren jedoch noch deutlich mehr: Insgesamt 620.000 Studenten waren im Wintersemester 2016/17 in einem Studiengang mit starkem wirtschaftlichen Bezug eingeschrieben. Das ist mehr als jeder fünfte Student. Dazu zählen etwa die Studiengänge Volkswirtschaftlehre, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsrecht oder Wirtschaftspädadogik.

Du musst also nicht zwangsläufig BWL studieren, falls du dich für wirtschaftliche Zusammenhänge interessiert. Aber wie kannst du den passenden Studiengang finden?

Man kann all diese Studiengänge in drei Kategorien einteilen: In der ersten Gruppe sind die klassischen Studiengänge BWL und VWL, die die Basis für alle anderen Spezialisierungen legen. Dann gibt es die Studiengänge, die zwei oder mehr Fächer miteinander kombinieren und daraus ein neues Curriculum formen. Dazu zählen etwa Wirtschaftsinformatik oder Wirtschaftsrecht. Schließlich kannst du dich für einen speziellen Studiengang entscheiden, der sich auf ein spezifisches Fachgebiet konzentriert (z. B. Bankwesen oder Tourismuswirtschaft).

Wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge und Anzahl der Studenten5

1. BWL oder VWL?

Während sich die Betriebswirtschaftslehre mit dem einzelnen Unternehmen beschäftigt, blickt die Volkswirtschaftslehre auf das Zusammenspiel aller Marktakteure. Der BWL-Student lernt, wie Unternehmen produzieren, sich organisieren und ihre Produkte und Dienstleistungen vertreiben. Der VWL-Student lernt, wie sich auf einem Markt mit Käufern und Verkäufern ein Gleichgewichtspreis einstellt, wie Eingriffe des Staates (z. B. Steuererhöhungen oder Zölle) wirken und welche Effekte verschiedene Marktstrukturen (z. B. Monopol vs. vollständige Konkurrenz) haben.

Auch vom Lernansatz her unterscheiden sich BWL und VWL: Als BWL-Student muss man deutlich mehr auswendig lernen, während man als VWL-Student seine Stärken vor allem im logisch-analytischen Bereich haben sollte.

BWL und VWL im Vergleich6

BWL und VWL im Vergleich6

Volks- und Betriebswirte arbeiten später in ähnlichen Berufen. Dabei konzentrieren sich Volkswirte tendenziell eher auf analytische und quantitative Aufgaben. Oft bewerben sie sich auf dieselben Jobs. Deshalb haben sie auch das gleiche durchschnittliche Einstiegsgehalt. 

Interessant ist der Intelligenzunterschied: Der durchschnittliche VWL-Student zählt zu den intelligentesten 3 Prozent der Bevölkerung, während sich der durchschnittliche BWL-Student „nur” im oberen Viertel bewegt. Mit einem IQ von 125 hast du somit einen klaren Vorteil gegenüber deinen Kommilitonen im BWL-Studium, jedoch nicht gegenüber anderen VWL-Studenten.

2. Kombinationsstudiengänge

„Kombi-Studiengänge” verschmelzen zwei Bereiche miteinander, die in der Wirtschaft oft aneinanderstoßen und viele Berührungspunkte haben. Personen, die beide Seiten verstehen, sind häufig das wertvolle Schmieröl an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Technik.

Ob ein Kombinationsstudium für dich interessant sein könnte, kannst du anhand von zwei Fragen erkennen: (1) Bist du an beiden Bereichen interessiert? (2) Bringst du die Voraussetzungen für dieses Studium mit? Für ein Wirtschaftsmathematikstudium solltest du etwa dieselbe mathematische Begabung wie für ein reines Mathematikstudium mitbringen. Als angehender Wirtschaftsjurist solltest du dich sowohl für rechtliche als auch für wirtschaftliche Fragestellungen interessieren.

Was viele dieser Kombinationsstudiengänge so interessant macht, ist dass sie dir neben wirtschaftlichem Grundwissen auch noch konkrete Fähigkeiten in einem anderen Bereich vermitteln: Wirtschaftsingenieure wissen sowohl wie Unternehmen wirtschaften als auch wie man einen Elektromotor baut. Wirtschaftsinformatiker können im Gegensatz zum normalen Betriebswirt zusätzlich Software entwickeln oder Datenbanken pflegen. Diese Kenntnisse kannst du häufig später im Beruf anwenden, während du dir bei einem reinen BWL-Bachelor erst im Job alle relevanten Kenntnissen aneignest.

Als Absolvent einer dieser Kombi-Studiengänge arbeitest du typischerweise an der Schnittstelle zwischen den Bereichen (z. B. als Produktmanager bei einem Tech-Startup). Genauso kannst du dich aber auf viele Berufe bewerben, die mehr auf der wirtschaftlichen oder technischen Seite liegen. Deshalb bleibst du auch mit einem Kombinationsstudium flexibel.

3. Spezifische Studiengänge

Schließlich gibt es Studiengänge, die sich auf ein spezifisches Fachgebiet konzentrieren (z. B. Bankwesen oder Tourismuswirtschaft).

Wenn du genau weißt, in welchem Wirtschaftsbereich du später arbeiten willst, kannst du dich direkt darauf konzentrieren. In solch einem Studium bekommst du keine breite Wissensbasis vermittelt, sondern eignest dir vom ersten Tag branchenspezifische Kenntnisse an. Du bist eher Spezialist als Generalist. Umgekehrt verlierst du dabei den größten Vorteil der meisten wirtschaftlichen Studiengänge: Flexibilität.

Mit einem Abschluss in Tourismuswirtschaft wirst du später nicht bei einer Bank oder Versicherung arbeiten können. Wenn du dich auf das Bankwesen konzentrierst, wirst du Probleme haben, falls du nach deinem Abschluss doch im Marketing arbeiten möchtest. Mit einem BWL-Studium hingegen kannst du dich später oft für jeden dieser Bereiche entscheiden. Ob die zusätzlichen Fachkenntnisse in einem Bereich den Verlust an Flexibilität aufwiegen, musst du am Ende selbst entscheiden. Dabei solltest du insbesondere darauf achten, ob du dir bei deiner Entscheidung unsicher bist und wie die Karriereaussichten in diesem Sektor ausschauen.

Wer zum Beispiel Tourismuswirtschaft studiert, eignet sich spezifische Kenntnisse an

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Referenzen

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    https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Indikatoren/LangeReihen/Bildung/lrbil01.html (Abrufdatum: 13.02.2018); Studierende Studienfach Betriebswirtschaftslehre. Statistisches Bundesamt (Destatis). 2018. https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Indikatoren/LangeReihen/Bildung/lrbil02.html
    (Abrufdatum: 13.02.2018); Studierende Studienfach Rechtswissenschaften. Statistisches Bundesamt (Destatis). 2018. https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Indikatoren/LangeReihen/Bildung/lrbil03.html
    (Abrufdatum: 13.02.2018).
  1. Datenquellen: Prüfungen an Hochschulen: Deutschland, Jahre, Nationalität, Geschlecht, Prüfungsergebnis, Studienfach. Statistisches Bundesamt (Destatis). Genesis-Online. Datenlizenz by-2-0; Nichtmonetäre hochschulstatistische Kennzahlen. Fachserie 11, Reihe 4.3.1. Statistisches Bundesamt (Destatis). 2016.  https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/BildungForschungKultur/Hochschulen/KennzahlenNichtmonetaer2110431157004.pdf?__blob=publicationFile (Abrufdatum: 30.01.2018).
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