Welche Berufe werden 2030 noch relevant sein?

Viele Studien prognostizieren, dass in den nächsten zwei Jahrzehnten ca. 50 Prozent der heutigen Tätigkeiten automatisiert werden können. Wie findest du heraus, ob dein Traumberuf ebenfalls gefährdet ist? 

Ob Beruf X nun im Jahr 2029, 2030 oder 2031 automatisiert wird, ist nahezu unmöglich vorherzusehen. Schließlich geht es dabei nicht allein um die technische Machbarkeit, sondern auch um Aspekte wie die Wirtschaftlichkeit und mögliche Regulierungen seitens des Staates.

Allerdings sollte der genaue „Stichtag“ zumindest für Abiturienten, angehende Studenten und Berufseinsteiger nicht ausschlaggebend sein. Die Frage ist wohl eher, ob ein Beruf mittel- bis langfristig ein hohes oder niedriges Automatisierungsrisiko hat. Wer heute ein fünfjähriges Studium oder eine Ausbildung beginnen möchte, sollte vorher sicherstellen, dass sich dieses Investment über die nächsten Jahrzehnte hinweg auch rentiert.

Ein schlechtes Investment

Wir sind im Jahr 2025. Mike arbeitet seit drei Monaten bei einer mittelständischen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft als Steuerberater. Zuvor hat er einen Bachelor und Master in Betriebswirtschaftslehre absolviert, zwei Jahre Berufserfahrung gesammelt und erfolgreich seine Steuerberaterprüfung abgelegt.

Alles läuft genau so, wie Mike es sich vorgestellt hat. Weitere vier Jahre später (2029) bekommt er jedoch plötzlich Post von der Personalabteilung: 

Hallo Mike,

deine Arbeit übernimmt ab jetzt unser neuer Algorithmus „Smart Books“. Wir danken dir für deinen Einsatz in den letzten sechs Jahren.

Beste Grüße

Die Personalabteilung

Das war das Ende von Mikes Karriere als Steuerberater. In Zukunft werden viele junge Menschen ähnliche Überraschungen erleben, wenn sie bei ihrer Entscheidung nicht berücksichtigen, ob ihr Berufswunsch möglicherweise von der Automatisierung betroffen sein könnte. Sich über mehrere Jahre hinweg spezifische Fachkenntnisse anzueignen, die ausschließlich in Beruf X gebraucht werden, kann einen dann schnell in eine Sackgasse führen.

Ein Investment wie ein Studium oder eine Ausbildung sollte sich rentieren

Der Vormarsch von Künstlicher Intelligenz

In den vergangenen Jahren hat Künstliche Intelligenz (KI) immer mehr Meilensteine erreicht, die noch vor einem Jahrzehnt undenkbar waren oder erst deutlich später erwartet wurden.

Im Jahr 2004 setzte die DARPA (eine Behörde des Verteidigungsministeriums der USA) ein Preisgeld von einer Million Dollar für denjenigen aus, der ein autonomes Fahrzeug entwickelt, das erfolgreich einen 150 Meilen langen Parkour in der Mojave-Wüste durchquert. Doch kein einziges Fahrzeug legte mehr als 10 Prozent der Strecke zurück. Nur acht Jahre nach diesem Tiefpunkt hatte Google’s Flotte autonomer Fahrzeuge bereits 300.000 Meilen ohne Zwischenfälle hinter sich gebracht.

Genauso überraschend war selbst für viele KI-Experten der Sieg des Computerprogramms AlphaGo über den südkoreanischen Profi Lee Sedol im Brettspiel Go (März 2016).

In welchen Tätigkeiten haben wir also noch die Oberhand? Und in welchen Bereichen sind uns Programme und Maschinen bereits überlegen? Hier ist eine (unvollständige) Übersicht:

Die relativen Vorteile von Mensch und Maschine

Berufe fallen in drei Risikokategorien

Wenn man das Automatisierungsrisiko eines Berufs einschätzen will, sollte man diesen in einzelne Tätigkeiten zerlegen. Manchmal wird zwar der gesamte Beruf automatisiert (z. B. LKW-Fahrer), aber in der Regel übernimmt Künstliche Intelligenz eine Reihe bestimmter Tätigkeiten. Je nachdem, ob ein kleiner oder großer Anteil aller Tätigkeiten des Berufs gefährdet ist, ergibt sich ein anderes Risiko:

Ist Beruf X gefährdet oder sicher?

Ist Beruf X gefährdet oder sicher?

Darüber hinaus kann man Berufe, die wahrscheinlich auch in Zukunft bestehen bleiben werden, in drei Gruppen einteilen:

#1 Berufe, in denen Menschen auf absehbare Zeit die Oberhand behalten werden

Sie haben alle ein niedriges Automatisierungspotenzial. Diese Jobs vereint, dass wir dort voraussichtlich in den nächsten Jahrzehnten unseren Vorteil behaupten werden. Ob ein Beruf in diese Gruppe fällt, kannst du anhand von drei Fragen abschätzen:

  • Musst du in diesem Beruf mit anderen Personen interagieren? Ist soziale Intelligenz wichtig? Beispiele: Sales-Mitarbeiter, Manager, Therapeuten, (viele) Ärzte, Hochzeitsplaner, Politiker.
  • Musst du für diesen Beruf kreativ sein? Müssen komplexe Lösungen entwickelt werden, die nicht auf Schema F basieren? Beispiele: Künstler, (Unternehmens)Berater, Unternehmer, Designer.
  • Musst du in einer unberechenbaren Umgebung arbeiten? Spielen feinmotorische Bewegungen der Finger eine zentrale Rolle? Beispiele: Chirurg, Friseur, Forstbetrieb, Klempner.

#2 Berufe, deren Automatisierung sich nicht rechnet

Obwohl es technisch umsetzbar wäre, lohnt es sich häufig nicht, einen Beruf zu automatisieren. Der Aufwand, die notwendigen Daten zu sammeln und daraus eine funktionierende Software zu formen, die auch noch regelmäßig upgedatet werden muss, steht meistens in keinem Verhältnis zur Nachfrage für so eine Dienstleistung.

Zusätzlich ist es meistens schwer oder unmöglich, an die notwendigen Daten zu gelangen. Denn das Fachwissen liegt in den Händen weniger Experten, die damit ihr Einkommen generieren.

In einer Nische mit einem globalen Markt von vielleicht 50 bis 200 Millionen Dollar übersteigen die Entwicklungs- und Instandhaltungskosten den zu erwartenden Umsatz. Gleichzeitig sind diese Märkte aber dennoch groß genug, um damit als Experte ein mehr als ordentliches Einkommen zu erzielen.

Die meisten dieser wertvollen Nischen liegen an der Schnittstelle zwischen zwei (oder mehr) Bereichen.

Beispiele: Anwalt spezialisiert auf Pferderecht, Investmentbanker spezialisiert auf den Bau von Sportstadien, Immobilienmakler für Luxusimmobilien

#3 Berufe, die genau diese intelligenten Systeme entwickeln

Anstatt dich in die Bereiche zurückzuziehen, die nicht von der Automatisierung betroffen sind, kannst du auch jene intelligenten Systeme mitentwickeln, die die Welt nutzen wird.

Keiner kann die exakte Größe des zukünftigen Jobmarkts für Automatisierungslösungen abschätzen, aber sicher ist, dass dieser Bereich ein pulsierender Teil der Wirtschaft in den kommenden Jahrzehnten sein wird. Die Nachfrage nach Personen in diesem Bereich übersteigt bei weitem das Angebot, und (Master-)Programme an Universitäten werden erst langsam aufgebaut.

Experten in dem Bereich wie Andrew Ng, ehemaliger Chef der KI-Abteilung des chinesischen Unternehmens Baidu, sehen die Talent-Knappheit auf dem Arbeitsmarkt als einen der wichtigsten Faktoren, der die Entwicklung derzeit noch ausbremst. Heute wie in Zukunft wird die Nachfrage das Angebot an qualifizierten Arbeitskräften übersteigen.

Beispiele: KI-Researcher, KI-Entwickler, Data Mining & Analysis.

Natürlich ist das Problem in Wirklichkeit noch komplexer

Zwei separate Arbeitsmärkte: Top-Performer und die breite Masse

Die meisten Menschen werden sich in Zukunft auf die Professionen konzentrieren, die nicht automatisiert werden. Dadurch wird in diesen Märkten vermutlich ein Ungleichgewicht zwischen Arbeitsangebot und -nachfrage entstehen. Während die besten fünf bis zehn Prozent ihres jeweiligen Fachgebiets mit hohen Gehältern umworben werden (Arbeitsmarkt 1), erzielt die breite Masse vermutlich nur geringe Einkommen (Arbeitsmarkt 2), da sie jederzeit ersetzt werden können.

Berufseinsteiger sind überproportional betroffen

Insbesondere Berufseinsteiger sind von dieser Problematik besonders stark betroffen, da sie überproportional viele der automatisierbaren Tätigkeiten ausüben. Beim Berufseinstieg trägt man naturgemäß weniger Verantwortung als Personen in höheren Personen. Man hat einen höheren Anteil an repetitiven und berechenbaren Tätigkeiten.

Als junger Buchhalter überprüft man beispielsweise Abrechnungen und analysiert deren Korrektheit, Vollständigkeit und Übereinstimmung mit den Rechnungslegungsstandards. Man leitet keine strategischen Meetings mit Kunden und entwickelt auch keine kreative Unternehmenstruktur, die zukünftige Steuerzahlungen minimieren sollen.

Jung-Anwälte beraten nur selten selbst Klienten oder vertreten sie im Gerichtssaal. Stattdessen sitzen sie im Büro und recherchiert, analysiert Präzedenzfälle und entwirft Prozessstrategien. In Zukunft werden Computerprogramme einen Teil dieser Arbeit kostengünstiger und schneller liefern. Und auch sonst bringen sie wenig Probleme mit sich: Sie werden nie krank und fordern keine „Work-Life-Balance”. 

In unserem Newsletter zeigen wir dir unter anderem, welche Fehler Abiturienten typischerweise bei ihrer Entscheidung begehen, was du bei einer Zukunftsentscheidung im 21. Jahrhundert beachten solltest und wie du gute Ideen für deine Zukunft entwickeln kannst. 

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