10 Tipps, die jeder zukünftige Student kennen sollte

Was solltest du beachten, bevor du dich für ein Studium entscheidest? Und welche Dinge sind wichtig, sobald du dein Studium begonnen hast? Wir haben jeweils fünf Aspekte für dich zusammengefasst.

Teil I:
Die Studienentscheidung

1. Deine erste Frage sollte nicht „Was soll ich studieren?“, sondern „Was mache ich nach dem Abi?“ sein.

80% der Abiturienten wollen ein Studium beginnen. Deshalb ist jeder auf der Suche nach dem richtigen Studienfach, während fast niemand Alternativen zum Studium in Betracht zieht. Dabei garantiert ein Studium längst kein erfolgreiches Arbeitsleben mehr. Inzwischen (2017) beginnen 56% eines Geburtsjahrgangs ein Studium. 1960 waren es nur 6%. Laut der Absolventenstudie 2017 von Accenture fühlen sich 68% der deutschen Absolventen im Beruf unterfordert und denken, dass sie für ihre Tätigkeit kein abgeschlossenes Studium benötigt hätten.

Viele Studienabschlüsse sind heute nicht mehr rar, sondern erinnern eher an ein homogenes Massengut. Gleichzeitig gibt es inzwischen mehr attraktive Optionen nach dem Abitur (z. B. Online-Studium, ein Business starten, direkter Arbeitsstart etc.) als noch vor 20 Jahren. Wenn du alle diese Möglichkeiten von vornherein ausschließt, schränkst du dich unnötig ein.

2. Beginne kein Studium, ohne mindestens eine konkrete Idee zu haben, was du im Anschluss machen möchtest.

Der Großteil der Abiturienten entscheidet sich zuerst für ein Studium und schiebt die Berufsentscheidung erst einmal auf. Besonders weit verbreitet ist dieses Problem in Studiengängen wie BWL, mit denen man relativ flexibel bleibt und später „alles machen kann“.

Natürlich muss man keinen fixen Plan für die nächsten fünf oder gar zehn Jahre haben. Oft wäre dies sogar kontraproduktiv, da man in dieser Zeit mit neuen Chancen in Kontakt kommt, die man nicht einfach ignorieren sollte.

Umgekehrt ist es aber riskant, wenn man die Frage „Was möchte ich machen?“ ins Studium verlagert. Es ist der Unterschied zwischen Flexibilität und Orientierungslosigkeit: Jemand, der flexibel ist, hat viele gute Optionen und hält gleichzeitig Ausschau nach neuen Möglichkeiten. Jemand, der orientierungslos ist, weiß noch nicht einmal, wie er herausfinden kann, was er machen möchte.

Orientierungslosigkeit erhöht das Risiko für einen Studienabbruch.

3. Sprich mit (ehemaligen) Studenten deines Studienfachs.

Warum solltest du die gleichen Fehler machen wie Hunderte Abiturienten vor dir? Warum willst du dir nicht die Erfahrungen von jetzigen oder ehemaligen Studenten zu Nutze machen? Kein Autobauer beginnt die Massenproduktion, ohne Crashtests mit Prototypen durchzuführen. Kein Lipgloss kommt ohne vorherige Marktstudien in den Verkauf.

Genauso ernst solltest du deine Zukunftsentscheidung nehmen. Anstatt ausschließlich zu recherchieren, musst du deine Idee ebenfalls in der Wirklichkeit testen. Du willst schließlich nicht erst im Studium erfahren, ob eine riesige Lücke zwischen deinen Erwartungen und der Realität klafft.

4. Schau nicht NUR auf deine Interessen oder deine Leidenschaft.

Heute sucht jeder nach seiner Leidenschaft. Spätestens seit der Rede von Steve Jobs vor den Absolventen der Stanford Universität im Jahr 2005 ist die Idee endgültig populär geworden. Und es liest sich ja auch verlockend: Man muss nur seine Leidenschaft finden, einen dazu passenden Beruf ausfindig machen und schon hat man das Rezept für eine erfolgreiche Karriere gefunden.

In der Praxis ergeben sich dabei jedoch mehrere Probleme: (1) Der Großteil aller jungen Menschen hat keine (karriererelevante) Leidenschaft. (2) Falls du eine Leidenschaft hast, kannst du damit wahrscheinlich kein Geld verdienen. (3) Interessen kommen und gehen. (4) Dein Interesse ist nicht der einzige Faktor, den du bei deiner Entscheidung berücksichtigen solltest. (5) Du schränkst unnötig deine Optionen ein. (6) Leidenschaft wächst Schritt für Schritt. Dieser Post beschreibt das Problem detailliert.

Dein Interesse ist nur einer von mehreren Faktoren

5. Lass dich nicht von nichtssagenden Statistiken irreführen.

„Ein Studium schützt vor Arbeitslosigkeit. Nur 2,3 Prozent der Akademiker sind arbeitslos.“ „Akademiker verdienen in ihrem Leben durchschnittlich eine Million Euro mehr als Personen mit einer abgeschlossenen Ausbildung.“ Solche und ähnliche Überschriften tragen viele Artikel, die sich mit der Entscheidung nach dem Abitur beschäftigen.

Doch diese allgemeinen Statistiken sind eher gefährlich als hilfreich. Sie werfen Akademiker aller Studien- und Abschlussjahrgänge in einen Topf, unterstellen teilweise lineare Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und werden häufig kausal interpretiert.

Stattdessen solltest nach spezifischen Statistiken suchen, die dir wertvolle Informationen liefern und beispielsweise die folgenden Fragen beantworten:

  • Wie stark ist die Konkurrenz auf diesem Weg?
  • Erfülle ich die Voraussetzungen (z. B. Persönlichkeit, Stärken, Intelligenz etc.) für diese Karriere?
  • Werde ich mit dieser Karriere zufrieden sein?
  • Schrumpft oder wächst die Branche?
  • Kann die Tätigkeit in Zukunft automatisiert werden?

Teil II:
Deine Zeit im Studium

6. Fokussiere dich nicht allein auf deine Abschlussnote.

Ja, deine Abschlussnote ist wichtig. Sie positioniert dich relativ zu deinen Kommilitonen. Ein Studium setzt sich aber aus drei Komponenten zusammen: Dem Abschlusszeugnis, dem Netzwerk und dem erworbenen Wissen. Vor allem ehrgeizige Studenten konzentrieren sich häufig ausschließlich auf ihre Abschlussnote. Dabei ist das Netzwerk oft der wertvollste und gleichzeitig am meisten unterschätzte Bestandteil deines Studiums.

Einige besonders strebsame Absolventen ärgern sich dann, wenn in der Realität viele Positionen durch „Vitamin B“ besetzt oder gar nicht öffentlich ausgeschrieben werden. Dabei vergessen sie jedoch, dass sie es während ihres Studiums versäumt haben, Kontakte zu Kommilitonen, Unternehmen und Professoren zu knüpfen.

Ein gutes Netzwerk gibt dir Zugang zu Jobmöglichkeiten, Investitionen und Kapitalspritzen, erhöht die Wahrscheinlichkeit für Beförderungen und ist ein wirksamer Schutz gegen einen wirtschaftlichen Abstieg.

Ein erfolgreiches Studium setzt sich aus drei Komponenten zusammen

7. Freunde dich mit den „Top-Performern“ an.

Finde Personen in deinem Studiengang, die außergewöhnliche Leistungen erbringen. Top-Performer sind nicht unbedingt diejenigen, die die besten Klausuren schreiben. Oft haben sie neben dem Studium einen zusätzlichen Fokus: Der eine startet sein eigenes Unternehmen, der andere arbeitet bereits nebenher in dem Bereich, auf den er sich später konzentrieren möchte.

Einige von diesen Personen werden später sehr erfolgreiche Karriere haben. Wenn sie Teil deines Netzwerks sind, wirst du Zugang zu mehr und besseren Möglichkeiten haben.

„Top-Performer” machen dein Netzwerk wertvoller

8. Verstehe dich selbst als ein Produkt, das im Supermarkt-Regal steht.

Warum sollte dich ein Unternehmen „kaufen“? Welche Fähigkeiten kannst du dir erarbeiten, die dich von der Masse abheben und die in Zukunft verstärkt nachgefragt werden?

Wenn du etwa Informatik studierst und später als Full-Stack-Entwickler arbeiten möchtest, solltest du dir genau in dem Bereich relevante Kenntnisse aneignen. Idealerweise baust du dir ein Portfolio an Projekten auf, das späteren Arbeitgebern oder Kunden zeigt, dass du dir nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch praktische Fähigkeiten aufgebaut hast.

Deine ersten Referenzen kannst du beispielsweise durch unentgeltliche Arbeit für Vereine oder Non-Profit-Organisationen aufbauen. So umgehst du das klassische Henne-Ei-Problem.

Warum sollte dich ein Unternehmen einstellen?

9. Baue dir ein zusätzliches Einkommen von mindestens 1.000 Euro pro Monat auf.

Auch wenn es immer wieder kleinere und größere Krisen gab: Die Jahrzehnte zwischen 1950 und 1990 waren hervorragend für Arbeitnehmer. Die Reallöhne („Was kann ich mir von meinem Lohn kaufen?“) stiegen, es gab einen relativ geradlinigen Weg zu einem gut bezahlten Job und man hatte eine hohe Planungssicherheit.

Im 21. Jahrhundert wird sich diese Ordnung zunehmend im Chaos verlieren. Tätigkeiten werden automatisiert und ins Ausland verlagert. Neue Technologien verändern die Arbeitswelt schneller als jemals zuvor. Anzeichen dafür gibt es schon länger: Die Reallöhne sind zwischen 1992 und 2012 um 1,6% gefallen, während die Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigem („Welchen Wert/Umsatz erwirtschaftet ein Arbeiter?“) um 17,7% gewachsen ist.

Wer in diesen volatilen Zeiten erfolgreich sein will, sollte sich frühzeitig verschiedene Einkommensquellen aufbauen. Dann bricht bei einer Kündigung nicht das gesamte Einkommen, sondern nur eine von mehreren Säulen weg.

In einem dreijährigen Studium kann sich (fast) jeder nebenbei ein zusätzliches Einkommen aufbauen. Hier sind ein paar Beispiele:

10. Investiere 100% in den ersten beiden Semestern.

Einige Neu-Studenten starten eher gemütlich ins Studium. Wenn sie acht Stunden in der Bibliothek sitzen, verbringen sie davon 30 Minuten auf Facebook, Instagram, Snapchat und Whatsapp, machen eine anderhalbstündige Mittagspause und verschwenden mindestens eine weitere Stunde durch Tagträumerei und ineffizientes Lernen.

Wenn du so jeden Tag drei Stunden vergeudest, addiert sich das zu 21 Stunden in der Woche oder 1.092 Stunden im Jahr. Wenn man annimmt, dass du später 30 Euro in der Stunde verdienen wirst, verschwendest du damit allein in den ersten beiden Semestern 32.760 Euro.

Wer in den ersten Klausuren schlechte Noten schreibt, macht sich das Leben unnötig kompliziert: Ein mäßiger Start demotiviert nicht nur, sondern macht es auch schwieriger, seinen Notendurchschnitt in den folgenden Semestern deutlich nach oben zu korrigieren.

In unserem Newsletter zeigen wir dir unter anderem, welche Fehler Abiturienten typischerweise bei ihrer Entscheidung begehen, was du bei einer Zukunftsentscheidung im 21. Jahrhundert beachten solltest und wie du gute Ideen für deine Zukunft entwickeln kannst. 

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