10 Dinge, die jeder Abiturient wissen sollte.

Was sind die wichtigsten Dinge, die du wissen solltest, bevor du dich entscheidest, was du nach dem Abitur machen möchtest? Wir haben zehn Punkte zusammengefasst, die dir oder deinen Freunden eine schmerzhafte Fehlentscheidung ersparen können.

1. Die Welt ändert sich schneller als jemals zuvor.

99 Prozent der Menschheitsgeschichte vollzog sich praktisch ohne nennenswerten Fortschritt. Die größte Veränderung war unsere Transformation von Jägern und Sammlern zu sesshaften Bauern, die ihr Land vor Ort bewirtschafteten. Ansonsten aber veränderte sich lange nichts von Generation zu Generation, von Jahrtausend zu Jahrtausend: Die Lebenserwartung blieb gleich und Kinder führten dasselbe Leben wie ihre Eltern. Erst mit der industriellen Revolution im 18. Jahrhundert begann der technische Fortschritt. Die Dampfmaschine machte die Pferde arbeitslos und beendete die Abhängigkeit von unserer Muskelkraft. In diesem kleinen Zeitfenster von etwa 250 Jahren haben wir praktisch alles entwickelt, was heute Teil unserer Zivilisation ist. Dank Antibiotika leben werden wir heute im Durchschnitt 80 Jahre alt. Die Gebrüder Wright legten 1903 mit dem ersten Motorflug den Grundstein für die Flugindustrie. Die erste Internetseite ist erst 26 Jahre alt. 

Wir stehen längst nicht am Ende des technischen Fortschritts, sondern vor weiteren Technologien, die unser Leben erneut auf den Kopf stellen werden. Virtuelle Realität steckt heute noch in den Kinderschuhen, aber bereits in 10 Jahren wird unsere physische Realität mit der virtuellen verschwimmen. Fortschritte in der Genetik werden unsere Lebenserwartung weiter erhöhen. Künstliche Intelligenz wird uns Menschen bereits in wenigen Jahren in vielen Tätigkeiten überlegen sein. 

Diese Veränderungen werden auch den Arbeitsmarkt komplett verändern. Eine Festanstellung über 40 Jahre bei einem einzelnen Unternehmen wird in Zukunft der absolute Sonderfall sein. Wir werden aber nicht nur häufiger unseren Arbeitgeber wechseln, sondern auch unsere Tätigkeiten selbst. Sie werden sich schneller ändern, als vielen Personen lieb ist. Drei Trends dominieren diese Entwicklung: Eine weitere Automatisierungswelle wird bereits in den nächsten zwei Jahrzehnten schätzungsweise 50 Prozent aller heutigen Tätigkeiten betreffen. Computerprogramme und Maschinen können diese Aufgaben besser lösen als wir Menschen. Gleichzeitig strömen jedes Jahr jeweils sieben Millionen Universitätsabsolventen aus China und Indien auf den globalen Arbeitsmarkt. Viele haben dasselbe Ausbildungslevel wie wir in Deutschland und arbeiten für ein Zehntel eines deutschen Gehalts. Momentan begrenzt die Sprachbarriere noch diese Entwicklung, aber viele Unternehmen arbeiten bereits heute auch an deren Beseitigung. Und schließlich verwässern unsere Bildungsabschlüsse. Ein abgeschlossenes Studium war noch nie weniger wert. Seit 1950 hat sich die Quote der Studienanfänger mehr als verzehnfacht. Früher war ein Studium noch ein eine Jobgarantie, heute ist es nur der erste Filter bei der Bewerbung. All diese Trends sorgen dafür, dass das Angebot an Jobs zurückgeht, während die Nachfrage weiter steigt. Das ist eine schlechte Kombination für alle jungen Menschen.

2. Du hast mehr Möglichkeiten als jede Generation vor dir.

Dieser Wandel bietet aber auch Chancen für jeden, der ihn antizipiert und sich weigert, blind in seine Zukunft zu stolpern. Wer sich etwa auf die wachsenden Industrien der Zukunft konzentriert, wird in den kommenden Jahrzehnten eine gefragte Arbeitskraft sein. Neben dem klassischen Beschäftigungsverhältnis hat sich im letzten Jahrzehnt aber auch eine attraktive Alternative ergeben: Unternehmertum. Anders als noch vor 20 Jahren, kann heute jeder mit einer Idee, einem Laptop mit Internetverbindung und Zeiteinsatz sein eigenes Business starten. Die Gründungskosten sind extrem gefallen: Heute kann man für 29 Euro im Monat einen Onlineshop starten, anstatt monatlich mehrere Tausend Euro die Miete eines physischen Stores auszugeben. Für viele Aufgaben (wie z. B. Zahlungsabwicklung, Website, Marketing, etc.) muss man keine teuren Mitarbeiter mehr einstellen, sondern kann auf fair gepreiste Softwarelösungen zurückgreifen. Auf Plattformen wie Facebook, Snapchat oder Instagram hast du kostenlosen Zugang zu Millionen von potenziellen Kunden. So haben zum Beispiel Unternehmen wie die Uhrenmarke Kapten & Son (oder Daniel Wellington) ihren Umsatz vervielfacht. 

Natürlich ist nicht jede Person dafür geschaffen, ein großes Unternehmen mit mehreren Mitarbeitern aufzubauen. Mit diesen neuen Möglichkeiten kann sich aber jeder zumindest ein zusätzliches Einkommen aufbauen, mit dem man sich relativ unabhängig von den Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt machen kann. Sich von Beginn an mehrere Einkommensströme aufzubauen, ist eine der besten Strategien für das 21. Jahrhundert.

3. Du hast die Verantwortung, dein Potenzial auszuschöpfen.

Einige Menschen denken, dass es keinen Unterschied macht, was sie tun oder nicht tun. Deshalb sehen sie keinen Sinn in dem Verzicht auf Konsum und Spaß im Hier und Jetzt und maximieren kurzfristig ihr Glück: Festivals, Parties, Urlaube, Reisen. Nichts davon ist in Maßen schädlich, sondern sogar nötig, um neue Energie zu tanken. Wer aber täglich den Vergnügungspark besucht, der verspielt seine eigene Zukunft und die seiner Familie, Freunde und Bekannten. 

Wie sähe dein Leben aus, wenn du fünf Jahre lang nicht die Dinge vermeiden würdest, denen du eigentlich deine ganze Aufmerksamkeit schenken solltest? Wo könntest du in Zukunft stehen, wenn du nicht jeden Tag fünf Stunden mit ineffizientem Lernen und sinnlosen Youtube-Videos verschwenden würdest? Die meisten Menschen nutzen maximal 50 Prozent ihres Potenzials. Und das ist kostspielig: Wenn du jeden Tag fünf Stunden vergeudest, addiert sich das zu 25 Stunden in der Woche oder 1.250 Stunden im Jahr. Wenn du annimmst, dass du später 30 Euro in der Stunde verdienen wirst, verschwendest du damit jedes Jahr 37.500 Euro. Denn mit jeder verlorenen Stunden und jedem verlorenen Tag schiebst du deinen Arbeitsstart weiter in die Zukunft hinaus. Wie würde deine Zukunft aussehen, wenn du nur nicht länger die Möglichkeiten leichtfertig verschwenden würdest, die sich dir bieten? 

Du spielst dabei nicht nur mit deiner eigenen Zukunft. Du wirkst mit deinem Tun oder Nicht-Tun auf jede Person in deinem Netzwerk. Im Laufe deines Lebens wirst du mit mindestens 1.000 Personen in Kontakt kommen, die wiederum jeweils Kontakt zu 1.000 anderen Menschen haben. Das heißt, dass dich nur eine Person von einer Million Menschen trennt. Und dein Tun wie auch deine Untätigkeit hat Einfluss auf dieses Netzwerk, denn du bist mit all diesen Personen direkt (Familie & Freunde) oder indirekt (Freunde von Freunden) verbunden. Dein Tun ist wie ein Tropfen, der in ein Wasserglas fällt, und alle umliegenden Atome in Schwingung versetzt. Die Dinge, die du tust oder nicht tust, haben also eine viel größere Bedeutung als du denkst: Nicht nur deine eigene Zukunft hängt davon ab, ob du dein Potenzial ausschöpfst oder verschwendest. 

Du bist ein Knoten in einem Netzwerk, das von deinem Tun beeinflusst wird

4. Konkurrenz ist nicht immer vorteilhaft.

Konkurrenz ist eine der grundlegenden Funktionen im ganzen Tierreich. Wer als Sieger aus einem Wettbewerb hervorgeht, hat bessere Chancen sich fortzupflanzen und seine Gene weiterzugeben. Und auch nach Zehntausenden Generationen bleibt Konkurrenz auch heute noch für uns „moderne Menschen” eine treibende Kraft. Zwar konkurrieren wir nicht mehr mit archaischen Methoden und schlagen uns außerhalb eines Boxrings in der Regel nicht mehr gegenseitig die Köpfe ein, aber das Konstrukt selbst hat in unserer Gesellschaft noch immer die gleiche Bedeutung. Personen, die sich in einem Wettbewerb besser positionieren als andere (z. B. in eine hohe Managementposition aufsteigen), erarbeiten sich mehr Ressourcen und einen höheren Status innerhalb der Gesellschaft und werden von deutlich mehr potenziellen Partnern umworben. Starke Konkurrenz um einen Studienplatz oder einen Job sehen wir als Hinweis auf dessen hohen Wert, Nutzen und Status.

Es macht grundsätzlich Sinn, mit anderen zu konkurrieren, um sich in der Gesellschaft bzw. einer Hierarchie hochzuarbeiten. Aber längst nicht jeder Wettbewerb ist auch ein sinnvoller Wettbewerb. Oft übersteigen die Kosten in einem Wettbewerb den zu erwartenden Nutzen. Wenn in einer Gruppe von fünf Personen eine Person für einen Job ausgewählt wird, hast du bei einer Zufallsentscheidung eine 20-prozentige Chance auf diesen Job. Wenn du aber stattdessen in einer Gruppe von 500 Personen um einen Job konkurrierst, hast du nur noch eine 0,2-prozentige Chance auf eine Zusage. 

Das heißt nicht, dass du dich auf keinen Fall für eine Option mit hoher Konkurrenz entscheiden solltest. Häufig kannst du die Erfolgswahrscheinlichkeit nämlich durch eigene Anstrengungen beeinflussen. Konkurrenz ist aber ein Faktor, den du bei deiner Entscheidung berücksichtigen solltest. Je höher die Konkurrenz in einem bestimmten Bereich ist, desto mehr Energie und Zeit musst du darauf verwenden, um dich nach oben zu arbeiten. Und desto unwahrscheinlicher ist es, dass du, selbst wenn du dich bemühst, dein Ziel erreichst (weil eben viele andere talentierte und engagierte Personen dasselbe Ziel haben).

5. Beruflicher Erfolg und Intelligenz

Es besteht ein starker Zusammenhang zwischen Intelligenz und dem (späteren) beruflichen Erfolg. Intelligente Menschen steigen im Durchschnitt höher und schneller in Hierarchien auf, bekommen bessere Leistungsbeurteilungen und arbeiten effizienter. Je nachdem, wie der berufliche Erfolg definiert wird und welche Studie man betrachtet, kann Intelligenz zwischen 30 bis 70 Prozent der Variation in der beruflichen Leistung erklären. Dieser Zusammenhang gehört zu den am besten gesicherten Erkenntnisse der Sozialwissenschaften der letzten 30 Jahre.

Woran liegt das? Wer intelligent ist, kann vor allem schneller lernen und findet sich besser in komplexen und unfamiliären Situationen zurecht. Intelligente Personen kommen deshalb deutlich früher ans Ziel. Das kann eine Matheaufgabe, eine Karriereposition in einem Unternehmen oder ein junges Startup sein, das um Marktanteile kämpft.

Unsere Intelligenz wird zum Großteil genetisch bestimmt. Bisherige Versuche, die generelle Intelligenz von Versuchspersonen zu steigern, sind alle fehlgeschlagen. Deshalb kann leider nicht jeder all die Dinge erreichen, die er sich erträumt, auch wenn er hart dafür arbeitet. Eine Person mit einem durchschnittlichen IQ von 100 wird nie als Quantenphysiker arbeiten können. Wenn Person A in einem „Ferrari” und Person B in einem „VW Passat” sitzt, wird Person A zuerst das Ziel erreichen, wenn beide das Gaspedal durchtreten. Der Ferrari hat einfach mehr PS als der VW Passat. Die US Army nimmt beispielsweise niemanden mit einem IQ von unter 83 auf, obwohl sie jeden Anreiz dazu hat, möglichst viele Personen zu rekrutieren. In der Graphik unten siehst du die IQ-Verteilung unserer Gesellschaft sowie den notwendigen IQ, den man mindestens für bestimmte Berufe benötigt.

Unser Tipp ist, sich eine Karriere auszusuchen, in der man zu den intelligentesten Personen zählt. Damit hat man einen großen Vorteil gegenüber anderen Menschen in dieser Branche. Bewegt man sich hingegen in einem bestimmten Job am unteren Rand der IQ-Verteilung, muss man doppelt so hart wie andere arbeiten, um überhaupt mithalten zu können und konkurrenzfähig zu bleiben (da intelligentere Menschen schneller arbeiten). Mit einem IQ von 115 kann man zwar Anwalt werden, aber man konkurriert mit vielen Personen, die deutlich intelligenter sind. Umgekehrt kann man in einer anderen Branche (z. B. Polizeiarbeit) schneller aufsteigen und seinen eigenen relativen Vorteil gegenüber anderen Personen nutzen.

6. Du kannst deinen Traumjob nicht durch Recherche allein entdecken.

Wenn du von Ort A nach Ort B fahren willst, kannst du einfach die GPS-Koordinationen in dein Navigationssystem eingeben und losfahren. Du weißt, wie lange du unterwegs bist und bekommst klare Anweisungen, wo du rechts oder links abbiegen musst. Bei komplexen Entscheidungen in unserem Leben können wir aber nicht einfach unser Ziel eingeben und uns an einem klarem Leitfaden orientieren. Häufig wissen wir nämlich gar nicht, was genau unser Ziel ist. Unter 8.000 Bachelorstudiengängen, 354 verschiedenen Ausbildungen und unzähligen anderen Alternativen wie einem direktem Arbeitsstart oder dem Start eines Unternehmens verstecken sich viele attraktive Ideen für deine Zukunft. Und selbst wenn du verschiedene aussichtsreiche Ideen gefunden hast, weißt du nicht, was sich dahinter verbirgt. Denn selbst mit der detailliertesten Recherche kommst du nur bis zu einem bestimmten Punkt, an dem dir immer noch wichtige Erfahrungen fehlen, um beurteilen zu können, was eine Alternative ausmacht.

Das zeigt auch eine Meta-Studie, die den Zusammenhang zwischen verschiedenen Variablen und der Arbeitsleistung untersucht hat. Die besten Prädiktoren für die Arbeitsleistung sind Tätigkeiten und Tests, die der tatsächlichen Arbeit besonders nahe kommen: Probearbeiten (Korrelation=0,44), Arbeitstests, die die tatsächlichen Tätigkeiten abbilden (0,54) und strukturierte Interviews (0,51). Zuordnungsverfahren zwischen Interessen und Studiengängen bzw. Berufen, wie sie viele Studienberatungen nutzen, korrelieren hingegen nur schwach mit der späteren Arbeitsleistung (0,1). Bevor du dich also entscheidest, solltest du austesten, ob deine Erwartungen mit der Realität übereinstimmen. Du könntest dich etwa mit (ehemaligen) Studenten und Berufstätigen unterhalten und von ihren Erfahrungen profitieren. Oder du könntest testweise jemanden in seinem Job begleiten und so einen realistischen Einblick in die Alternativen gewinnen. Der Vorteil von diesen „Prototypen” ist, dass sie selten mehr als einen Nachmittag in Anspruch nehmen und dir gleichzeitig wertvolle Erkenntnisse liefern.

7. „You shouldn't care what other people think of you.”

Wir sind zuweilen sehr abhängig davon, was andere Personen von uns denken. Wir tragen eine irrationale Angst in uns, dass wir von anderen verhöhnt werden, sobald wir etwas tun, das nicht dem Standard bzw. Mainstream entspricht.

Dass wir so genau darauf achten, was andere von uns denken, liegt auch an unserem evolutionärem Erbe. Über Jahrtausende haben wir in kleinen Gruppen gelebt. Die Zugehörigkeit zu einem Stamm war kritisch für das eigene Überleben, denn sie bedeutete Sicherheit und regelmäßigen Zugang zu Nahrung. Wer von der Gruppe verstoßen wurde, erhielt damit auch sein Todesurteil. Deshalb war es besonders wichtig, von anderen Gruppenmitglieder (insbesondere von solchen, die weit oben in der Hierarchie stehen) akzeptiert zu werden. Wer sich in die Gruppe einfügen konnte und die Gunst der weit oben in der Hierarchie stehenden Menschen genoss, durfte im Stamm bleiben. Wer hingegen etwas tat, dass ausreichend viele Personen verärgerte, verlor schnell seinen Rang innerhalb der Gruppe und wurde im schlimmsten Fall ausgestoßen. Damals war soziale Akzeptanz tatsächlich überlebenswichtig.

Diese Anlage ist auch heute noch präsent in uns und zeigt sich sowohl in unserem starken Verlangen nach sozialer Akzeptanz und Anerkennung als auch in unserer Angst vor sozialer Isolation. Unser soziales Umfeld jedoch hat sich geändert: Wir leben nicht mehr in Kleingruppen, sondern in Städten mit Hunderttausenden Menschen. Wir sind nicht mehr vom Wohlwollen unserer Stammesmitglieder abhängig. Dieses uns im Hintergrund begleitende evolutionäre „Programm” erweist sich heute öfter eher als Hindernis denn als hilfreich. Hier sind ein paar Probleme, die unsere Entscheidungen beeinflussen:

  1. Dein Entscheidungsprozess wird von der Meinung anderer Personen dominiert. Viele Abiturienten wählen ein Studienfach, das den Wünschen ihrer Eltern entspricht, die sich beispielsweise eine Karriere mit hohem sozialen Status (z. B. Arzt oder Anwalt) für ihre Kinder wünschen. Aber auch ohne einen expliziten Wunsch einer Person fühlen wir uns zu Berufen und Studiengängen hingezogen, die in der Gesellschaft einen guten Ruf genießen.
  2. Du gehst kein Risiko ein. Risiko birgt sowohl Chancen als auch Gefahren. Ein gut kalkuliertes Risiko einzugehen (z. B. eine vielversprechende Unternehmensgründung ohne Kreditaufnahme) bietet oft mehr Chancen als Risiken. Die Angst, hinter den Erwartungen zurückzubleiben oder zu scheitern, hält jedoch zahlreiche junge Menschen davon ab, einen risikoreicheren Pfad einzuschlagen. Stattdessen entscheiden sie sich dann für die vermeintlich sichere Karriere. Wer Fehler um jeden Preis vermeidet, hat auch keine Chance, aus ihnen zu lernen.
  3. Wir denken häufig, dass andere Personen dauernd über uns nachdenken und uns zum Mittelpunkt ihrer Gespräche machen. Das ist ein extrem narzisstischer Gedanke. Tatsächlich beschäftigt sich niemand mit dir, da jeder mit seinem eigenen Leben beschäftigt ist. Die meisten Personen denken genau wie du nur über sich selbst nach. Fast niemand interessiert sich für dich, auch wenn du etwas Risikoreiches oder Verrücktes machst.
  4. Die Personen, die sich über dich unterhalten (würden), sind selbst komplett von ihrer Außenwahrnehmung dominiert. Wer beim Scheitern einer anderen Person in Schadenfreude badet, hat selbst ein ernst zunehmendes Problem.

Was kannst du tun, um diese evolutionäre Anlage zu kontrollieren und bessere Entscheidungen zu treffen?

  1. Achte genau darauf, wenn und wann du dich fragst, was andere von deiner Entscheidung halten würden. Wenn du dir bewusst machst, dass du bei einer Entscheidung zu einer Alternative tendierst, weil dies die „sozial akzeptable” Option ist, hast du schon den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht: Du bist dir jetzt des Problems bewusst und reduzierst allein dadurch seine Bedeutung.
  2. Analysiere Situationen und Optionen objektiv: Versetze dich in die Perspektive einer dritten Person. Würdest du die gleiche Entscheidung treffen, wenn du einer anderen Person, die die gleichen Stärken und Interessen wie du hat, einen Ratschlag geben müsstest? An welchen objektiven Informationen (z. B. Statistiken, Berichte, etc.) kannst du dich orientieren?
  3. Stell dich freiwillig deinen Ängsten. Psychologen nennen diesen Schritt „Exposure Therapy”. Wer eine Phobie vor Spinnen hat, kann seine Angst in den Griff bekommen, indem er sich ihr schrittweise nähert. Genauso kann man seine Angst vor der sozialen Ächtung konfrontieren. Du könntest bei Starbucks nach einem 20-prozentige Rabatt fragen, nächste Woche mindestens drei Frauen (oder Männer) auf einen Kaffee einladen oder dich freiwillig für eine öffentliche Rede melden. Mit der Zeit wirst du immer selbstbewusster und kümmerst dich weniger um die Meinungen anderer.

8. Ein Studium wird grundsätzlich überschätzt.

Viele Studien kommen zu dem eindeutigen Ergebnis, dass sich ein Studium lohnt: Das ifo Institut etwa zeigt in seiner Studie „Bildung lohnt sich immer”, dass Personen mit einem Studienabschluss über ihr Erwebsleben hinweg 387.000 Euro mehr verdienen als Personen mit einer abgeschlossenen Lehre. Ein IAB-Kurzbericht beziffert den Wert eines Studiums auf 1,08 Millionen Euro brutto im Vergleich zu einem ungelernten Hilfsarbeiter. Zusätzlich wird die niedrige Arbeitslosenquote von 2,6% (Mai 2017) unter Akademikern als weiterer Grund für ein Studium angeführt. Losgelöst davon, dass diese Statistiken natürlich unterschiedliche Studiengänge in einen Topf werfen, unterstellen sie einen kausalen Zusammenhang zwischen Studium und höherem Einkommen bzw. niedrigerer Arbeitslosenquote. Kurzum: Das höhere Lebenseinkommen von Akademikern ist auf deren Studium zurückzuführen. Das macht auch intuitiv Sinn: Schließlich eignet man sich zusätzliches Wissen an und baut ein Netzwerk unter Kommilitonen und Professoren auf. 

Es gibt aber gute Gründe, warum der tatsächliche Effekt eines Studiums wahrscheinlich deutlich geringer ausfällt. Oben haben wir beispielsweise gezeigt, dass ein starker Zusammenhang zwischen IQ und dem späteren Erfolg besteht. Tatsächlich liegt der durchschnittliche IQ von Studenten mit 115 eine ganze Standardabweichung über dem der gesamten Bevölkerung. Zusätzlich sind Akademiker meist gewissenhafter und haben eine höhere Motivation. Universitäten filtern (oft explizit mit Notendurchschnitt und Eignungstests) Personen mit höheren kognitiven Fähigkeiten heraus. Das führt zu der Frage, welchen tatsächlichen Anteil die universitäre Ausbildung im Durchschnitt am späteren Erfolg hat. Die Universitäten selbst haben offensichtlich keinen Anreiz, sich ernsthaft mit dieser Frage auseinanderzusetzen, da sie sich damit selbst degradieren würden. 

Ein Studium hat einen kleineren Effekt auf den späteren Erfolg als gedacht

Ein Studium hat einen kleineren Effekt auf den späteren Erfolg als gedacht

Viele Akademiker hätten sich wohl auch ohne ein klassisches Studium eine ebenso erfolgreiche Zukunft erarbeitet. Um den wahren Effekt eines Studiums von anderen Einflussgrößen wie Intelligenz und Gewissenhaftigkeit unterscheiden zu können, müsste man zum Beispiel junge Menschen zufällig zwei Gruppen zuordnen: Mitglieder aus Gruppe 1 absolvieren ein Studium, jene aus Gruppe 2 entscheiden sich für jeden anderen Weg. Die unterschiedliche Performance der beiden Gruppen zeigt dann, wie nützlich ein Studium tatsächlich ist. Da es keinerlei solche Experimente gibt, weiß man heute nur, dass ein Studium wohl nur anteilig am späteren Erfolg beteiligt ist. Ob dieser Anteil aber 10, 30 oder 70 Prozent beträgt, ist eine offene Frage und schwankt wahrscheinlich stark von Studiengang zu Studiengang.

9. Bleib in Kontakt mit deinen Schulfreunden.

Zu Schul- und Studienzeiten sind wir ständig von Gleichaltrigen mit ähnlichen Interessen umgeben. Freundschaften zu schließen fällt den meisten nicht schwer, wenn man zusammen im Sportverein aktiv ist, in der Schule jahrelang nebeneinander sitzt, gemeinsam verreist und andere einprägsame Momente teilt. Vielleicht ist man sich, gerade weil dieser Prozess so natürlich wirkt, nicht über den Wert dieser Freundschaften bewusst. Später im Leben wird es immer schwerer, wirklich gute Freunde zu finden. Zum einen werden die Beziehungen immer professioneller und unpersönlicher. Das Studium ist die Brücke zwischen „Spaß und Ernst”. Spätestens im Beruf ist aber das Geschäft der vorrangige Zweck jeder Kommunikation, und die meisten Personen haben bereits einen gefestigten sozialen Freundeskreis. Mit fortschreitendem Alter rückt zudem die Gründung einer eigenen Familie immer mehr in den Mittelpunkt. 

Meistens wird einem der Wert von alten Freundschaften erst dann bewusst, wenn man viele seiner alten Freunde verloren hat. Das Tückische daran: Es ist meistens kein abrupter, sondern ein schleichender Prozess. Keinen Kontakt zu alten Freunden gehalten zu haben, zählt laut Bronnie Ware’s Buch „5 Regrets of the Dying” zu den fünf Dingen, die Menschen kurz vor ihrem Tod besonders bedauern. Deshalb solltest du aktiv zu den Menschen Kontakt halten, die du gerne dauerhaft in deinem Leben behalten willst.

10. Dein Leben besteht aus einer Hand voll Monate.

Die Graphik zeigt alle Monate im Leben eines 82-jährigen Menschen. Jeder Kreis entspricht einem Monat. Eine Linie besteht aus 24 Kreisen oder zwei Jahren. Das sind alle Monate die du – erwartungsgemäß – in deinem Leben zur Verfügung hast. Sie verwandeln einen Neugeborenen in einen 82-Jährigen. Es fühlt sich oft so an, als ob man unendlich viele Monate in seinem Leben zu füllen hätte. Tatsächlich ist die Anzahl der Monate begrenzt. Hier siehst du alle 920 Monate, aus denen sich dein Leben zusammensetzt. 216 (oder knapp 25%) davon sind bei Vollendung deines 18. Lebensjahrs bereits verstrichen und  hoffentlich mit schönen Erinnerungen gefüllt. Und nicht alle Monate im Leben sind aus biologischer Sicht gleichwertig: Ab dem dreißigsten Lebensjahr bauen wir bereits körperlich ab. Gleichzeitig erarbeiten wir uns aber auch mehr finanzielle Ressourcen.

Alle Monate in Deinem Leben

Es gibt grundsätzlich zwei sinnvolle Möglichkeiten, um deine Kreise zu füllen:

  • Du kannst die Zeit und den Augenblick genießen (z. B. verreisen, deinen Hobbies nachgehen, Zeit mit Familie und Freunden verbringen etc.).
  • Du kannst die Zeit heute nutzen, um deine Zeit in Zukunft angenehmer zu machen und besser nutzen zu können (z. B. arbeiten und lernen, neue Kenntnisse und Wissen erarbeiten, Nutzen für andere Personen schaffen, etc.).

Wenn du deine ganze Zeit nur dazu nutzt, dein Vergnügen im nächsten Augenblicks zu maximieren (Option 1), sabotierst du zwangsläufig die Monate in deinem späteren Leben. Wenn du nichts tust, das dich zukünftig in eine bessere Position bringen wird (Option 2), stagnierst du in deiner Entwicklung. Es ist nicht besonders schwierig, ein paar Monate oder Jahre komplett unproduktiv und verschwenderisch zu verbringen: Du kannst dich etwa in einer schlechten Beziehung befinden, in einem langweiligen Job „festsitzen” oder etwas studieren, das dich nicht interessiert und in Zukunft auch nicht weiterbringt. Wenn du so die wertvollen Monate in deinem Leben verbringst, bist auf dem Weg in eine desaströse Zukunft. Zeit ist unsere wertvollste Ressource, weil wir sie weder erneuern noch aufsparen, sondern nur verbrauchen können.

Idealerweise verbindest du die erste mit der zweiten Option: Du arbeitest an etwas, das dir Spaß macht und nützlich für andere Personen ist, und bewegst dich damit auf einem Pfad, der dich persönlich in eine bessere Zukunft führt.

Eine ideale Zeiteinteilung

In unserem Newsletter zeigen wir dir unter anderem, welche Fehler Abiturienten typischerweise bei ihrer Entscheidung begehen, was du bei einer Zukunftsentscheidung im 21. Jahrhundert beachten solltest und wie du gute Ideen für deine Zukunft entwickeln kannst. 

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